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Übersetzung: Eine armenische Lehrerin berichtet

18 Januar 2015 No Comment

Zizernakaberd / flickr: Shaun Dunphy

Ein altes Sprichwort besagt Die Vergangenheit ist die Lehrerin der Zukunft. Dies betrifft vor allem uns Armenier, denn durch die Aufarbeitung der vergangenen Geschichte haben wir bis in die Gegenwart überlebt.

Im armenischen Schulunterricht wird sehr viel Wert auf die Behandlung der armenischen Geschichte gelegt, insbesondere  auf die schicksalsträchtigen Ereignisse. Um ein solches Ereignis handelt es sich beim Großen Armenischen Völkermord im Jahre 1915. Heute ist es leichter über den Genozid zu sprechen, denn die sowjetischen Schranken und Eingrenzungen von früher gibt es nicht mehr. Heute sprechen wir über den Genozid in allen Schulklassen – durch zusätzliche Unterrichtsstunden in den unteren Klassenstufen  und planmäßig  in der 8. Klasse. Das Thema wird ergänzt durch die Heranziehung historischer Archive, der heutigen Erinnerungen der eigenen  Familie und internationaler Literatur. Leider werden die zeitgenössischen Überlebenden des Genozids immer weniger, sodass die Kinder ihre Geschichten meist nur noch aus Büchern erfahren müssen. Jedoch geht jeder Armenier mindestens einmal im Jahr zum Ort des Genozids – zum Zizernakaberd , wo die Flamme des Erinnerns niemals erlischt.

Wir erinnern uns an die Vergangenheit, wir  gedenken der Opfer, aber wir lehren niemals Hass oder Verachtung gegenüber den heutigen Türken. Wir sind für gute Beziehungen zur Türkei, denn die Türkei ist unser Nachbar, den man sich ja nicht aussuchen kann. Aber die geschichtlichen Vorkommnisse sollte man trotzdem akzeptieren um voranschreiten zu können.

von Anahit Sargsyan, Lehrerin für Armenische und internationale Geschichte, sowie Gesellschaftswissenschaft in Jerewan.

 

AGHET 1915–2015: Die Kurden und der Völkermord | memorique: Genozid und Geschichtsunterricht | Das Deutsche Reich und die Bagdadbahn | klassiquer: Die vierzig Tage des Musa Dagh | Kulturelle Verarbeitung des Völkermords

 

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