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„Die Vielfalt an skurrilen Charakteren macht das Stück“

16 Juli 2014 No Comment

Annekathrin auf der Bühne

Ohne Statisten wäre das jährliche Theaterspektakel der Kulturarena nicht möglich. Im Rückblick spricht eine der diesjährigen Statistinnen über ihre Erfahrungen mit König Ubu und Co.

von Anna Kolosova

Am 10. Juli hat die Erstaufführung von König Ubu auf der Bühne des Theaterhauses Jena echtes Aufsehen erregt. So ein verrücktes und stürmisches Stück bringt unterschiedliche Reaktionen und Rezensionen hervor. Es ist aber zu bemerken, dass im Spektakel nicht nur erprobte Schauspieler, sondern auch viele Statisten engagiert waren, unter ihnen zahlreiche Studenten. Eine davon ist Annekathrin Sölter (23). Sie studiert Anglistik an der FSU Jena und mit dem Stück König Ubu hatte sie ihren ersten Auftritt am Theaterhaus. Heute spricht sie mit uns über die Komödie aus der Perspektive einer Schauspielerin.
Nach all den Proben und Aufführungen sieht Annekathrin glücklich aus. Es ist schwer zu glauben, dass die freundlich lächelnde Studentin noch vor kurzem wütend auf der Bühne gekämpft hat. Wie hat sie es geschafft, sich in eine Rolle so einzufühlen und was an diesem skurrilen Stück hat sie dazu motiviert?

unique: Annekathrin, die letzte Aufführung von König Ubu hat schon stattgefunden. Wie fühlst du dich damit?
Annekathrin: Es war auf jeden Fall eine Achterbahnfahrt, denn es gab Abende, an denen man so viel Spaß hatte, dass man das Theaterhaus gar nicht verlassen wollte. Und es gab aber auch Abende, an denen man vom Spielen so erledigt war, dass man auf sein Bett gewartet hat. Aber alles in allem bin ich sehr glücklich, Teil des Sommerspektakels gewesen zu sein und, wenn ich Jena nicht leider verlassen würde, würde ich auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder mitspielen.

Während des Stücks solltest du dich ständig zu den unterschiedlichen Stellen der Bühne bewegen. War es nicht anstrengend, immer die Spannung hochzuhalten?
Am Anfang war es vielleicht etwas ungewohnt, weil die Theaterhaus-Bühne sich doch schon sehr von allen Bühnen unterscheidet, die ich kenne. Das Stück bewahrt sehr viel Magie, weil die Menschen auf der Bühne immer an einer Stelle abgehen und an ganz anderer Stelle wieder auftauchen. Aber sobald man das Stück ein paar Mal gespielt hat, kennt man die Abläufe sehr genau und man kann sehr gut einschätzen, wo man sich ein bisschen beeilen muss und wo man langsamer laufen kann, und letztendlich ist man während des Stückes so aufgeregt, wegen des Spieles, der Zuschauer und allem, dass einem das Rumrennen gar nichts ausmacht. Und die Freude, auf der Bühne zu stehen, überwiegt jeden Stress, den man haben könnte.

Wie bist du eigentlich dazu gekommen, an König Ubu teilzunehmen?
Ich habe die letzten Jahre schon immer das Spektakel der Kulturarena verfolgt, ich war schon zu den Theaterstücken und habe mich immer gefragt, wo man sich bewerben kann als Statist, was ich schon in den letzten Jahren gerne gemacht hätte. Und dieses Jahr war das erste Mal, dass es zeitlich so gepasst hat. Ich kenne einen der Statisten, der schon seit vielen Jahren mitspielt und er hat mir Bescheid gegeben, wann das Casting für die Statisten war – das war am 1. April. Dort wurden Fotos gemacht und erklärt, worum es in dem Stück geht und wie sich die Regisseure das alles so vorstellen und danach konnten wir entscheiden, ob wir mitmachen möchten oder nicht. Es klang alles sehr viel versprechend, witzig und interessant und daraufhin habe ich mich dort angemeldet und wurde auch genommen.

So hast du als Statistin mit dem Ensemble des Theaterhauses zusammen gespielt. Gibt es etwas, woran du dich dabei besonders gerne erinnerst?
Es ist auf jeden Fall ein sehr familiäres Verhältnis zwischen den einzelnen Leuten, im Theater ist es immer wie in einer großen Familie, weil alle das gleiche Ziel verfolgen: Alle wollen, dass das Stück erfolgreich wird. Und es macht besonders Spaß, wenn man mit Schauspielern mitspielen kann, die nicht nur besonders talentiert sind, sondern auch viel Charme und Witz mitbringen. Oder wenn man danach als Statist die Szenen mal sehen kann, in denen man selber nicht ist und sieht, wie die Schauspieler es umsetzen. Hervorzuheben ist dabei natürlich z.B. König Ubu selbst, der in seinem Fettanzug über die Bühne rennt und es aber sehr leicht aussehen lässt, oder Yves als König Wenzeslas, der so gut betrunken spielen kann, dass man es wirklich glaubt.

König Ubu ist kein klassisches oder konventionelles Stück. Wie war es, dich mit so kompliziertem und vielseitigem Stoff zu beschäftigen?
Erst hatte ich einige Probleme zu verstehen, wie die Szenen sich aufbauen, weil es am Anfang etwas verwirrend mit den Namen ist und man nicht genau weiß, wo wer dazugehört. Und da man als Statist selber auch wechselt, ob man Anhänger Ubus ist oder Anhänger Wenzeslas, oder zum Zar gehört. Aber gerade die Vielfalt der Charaktere und auch an vielen skurrilen Figuren macht das Stück so liebenswürdig. Wenn man erstmal verstanden hat, wie es sich aufbaut, dann ist es ist relativ klar, was das Stück rüberbringen möchte. Und gerade durch den sehr unerwarteten Abschluss – nämlich, dass Vater Ubu Finanzminister in Frankreich werden möchte – bringt einen besonderen Touch zur Komödie.

Eines der umstrittenen Dinge beim Theater-Spektakel waren mit Sicherheit die unterschiedlichen Musik-Einlagen. Wie findest du die eigentlich?
Am meisten liebe ich Candle in the wind, was gesungen wird zum Tod der Königin. Jedes Mal, wenn das Lied kommt, singen wir Statisten hinter der Bühne mit Inbrunst mit, weil die Szene sehr schön inszeniert ist und dieses Lied auch gut in diesen Moment hinein passt. Mein besonderer Liebling ist natürlich Michael Jacksons Bad, weil ich auch selber in der Szene auf der Bühne stehen und tanzen darf. Zusammen mit der großartigen Tanzeinlage des König Ubus und seinem Moonwalk wird es eine ganz besondere Szene.

Wenn du die Möglichkeit hättest, beim Theater Jena wieder als Statistin mitzumachen, würdest du dich damit nochmals beschäftigen?
Ich gehe stark davon aus. Würde ich Jena jetzt nicht verlassen, würde ich nächstes Jahr auf jeden Fall wieder auf der Bühne stehen wollen. Es ist einfach eine wahnsinnig tolle Erfahrung, nicht nur wegen des Schauspielens, sondern auch einfach wegen der interessanten und unterschiedlichen Menschen, die man kennen lernen kann. Das würde ich nicht missen wollen und bin sehr froh darüber, dass ich es dieses Jahr gemacht habe.

Annekathrin, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und weiterhin viel Erfolg bei Studium und Theaterproben!

(Fotos: privat)

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