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Endlich Solo? Fünf Gegenbeispiele

16 Januar 2014 No Comment

(Foto: flickr/ User Giikah)

Außerhalb der engen Schranken des Bandlebens sucht manch ein Musiker nach neuer kreativer Energie – allerdings nicht immer mit kommerziellem Erfolg.

von Robert

Jason Newsted
ehemals Bassist bei Metallica
Soloprojekt: Echobrain
Wem die Kollegen bei Metallica zu pöbelig sind und wer musikalisch unterdrückt wird, der sollte die Band verlassen und etwas Vernünftiges mit seiner Zeit anfangen. Genau das dachte sich Bassist Jason Newsted Anfang 2001 und gründete Echobrain. Das gleichnamige Debütalbum strotzt nur so vor musikalischer Finesse. Zehn elegante Rocksongs, mal härter, mal sanfter, doch nie standardisiert und langweilig. Bereits der erste Song, „Colder World“, beeindruckt mit unglaublichem Drive, gespickt mit groovenden Blues-Einschüben. Oder „Spoonfed“, der mit einer psychedelisch anmutenden Leadgitarre und starken rhythmischen Akzenten besticht. Newsteads neuer Sound löst sich souverän von den Jahren bei Metallica und sprudelt nur so vor Experimentierlust.
Am Markt fand das Ganze leider nicht wirklichen Anklang und die Mitglieder von Echobrain gingen nach dem zweiten Album „Glean“ wieder eigene Wege.

Billy Corgan
(ehemals und jetzt wieder) Frontmann, Sänger, Gitarrist und (Glatz-)Kopf der Smashing Pumpkins
Soloprojekt: The Futur Embrace
Was macht man zwischen Trennung und Reunion? Vielleicht ein Soloalbum. Billy Corgan, der selbsternannte „beste Songwriter aller Zeiten“, veröffentlichte 2005 „The Futur Embrace“, sein erstes Soloalbum und sein kommerziell größter Flop. Die Songs sind, im Gegensatz zu denen der älteren Pumpkins-Alben, bedeutend Synthesizer-lastiger. Dabei beschränkt sich das Album nicht auf heiteres Discogedudel, sondern besitzt sehr intensive Momente. Auch hervorzuheben ist Corgans drastische Steigerung als Sänger: War man von ihm sonst eher einen etwas weinerlichen Klang gewohnt, ist seine Stimme seit The Future Embrace sauberer, betonter und kräftiger. Vergleicht man es mit älteren Werken Corgans, zu Zeiten der Pumpkins, ist der Sound poppiger als z.B. auf „Melon Collie“ oder „Adore“, wirkt aber ausgereifter als auf den „Macchina“-Alben und deutet den neuen Stil an, der sich in „Oceania“, dem neuesten Album, wiederfindet. Dass die CD der Grunge-Ikone aus Chicago zum Ladenhüter mutierte, hatte aber auch eine gute Seite: 2007 folgte die Reunion der Smashing Pumpkins.

Dimebag Darrell & Vinnie Abbott
ehemals Gitarrist & Schlagzeuger bei Pantera
Soloprojekt: Damageplan
Wer Pantera mag, sollte auch zu Damageplan nicht Nein sagen. Die Nachfolgeband Darrell Lance Abbotts und Vinnie Abbotts bietet alles, was das Herz eines Groovemetalers begehrt.
„New Found Power“ bietet ein phänomenales Klanggewitter im Stil von Pantera. Was nicht verwundert, besteht doch die Hälfte der Band aus ehemaligen Mitgliedern. Bass und Schlagzeug formen den Klangteppich, auf dem sich die Gitarre von Dimebag Darrell in infernalischen Gitarrensoli und wildestem Riffing ergeht. Einziges Manko: Patrick Lachmann kann beim Screamen und Shooten zwar mit Phillip Anselmo mithalten, besitzt aber nicht dessen Vielseitigkeit für melodische Parts. Dafür gibt’s auf dem Album „New Found Power“ Unterstützung von Stars wie Corey Tayler. Trotz alledem blieb Damageplan immer im Schatten von Pantera und die Bandgeschichte nahm 2004 mit dem Tod Darrells ein abruptes und tragisches Ende.

Nikolai Fraiture
Bassist bei The Strokes
Soloprojekt: Nickeleye
Nachdem bereits Gitarrist Albert Hammond jr. und Sänger Julian Casablancas Soloalben veröffentlicht hatten, nutzte Nikolai Fraiture die fünfjährige Pause nach dem dritten Strokes-Album und ging 2009 musikalisch eigene Wege. Fraitures instrumentale Heimat am Bass schlägt sich im ziemlich rifflastigen Akkustikgitarren-Sound nieder. Dieser variiert innerhalb der Songs zwar nicht sonderlich, wirkt sich aber bei einer durchschnittlichen Songlänge von etwa drei Minuten nicht negativ aus.
Was allerdings auffällt, sind die gesanglich doch beschränkten Fähigkeiten von Fraiture. Die stark nasale Stimme ändert selten ihre Melodie, und auch von Akzentsetzung scheint er nicht viel zu verstehen. Dies versetzt den flippigen Instrumenten eine schwermütige Note, die dem Ganzen einen Hauch von melancholischem Punk-Indie gibt.
Im Gesamturteil trotzdem ein Album, das sich hören lässt – leider viel zu wenig verkauft wurde.

Michi Beck aka. Hausmarke
Mitglied der Fantastischen Vier
Soloprojekt: Weltweit
In den guten alten Zeiten, als Hip Hopper keine komischen Panda- oder Metallmasken trugen und Rap noch ohne Ghetto und Beleidigung irgendwelcher Mütter möglich war – im Jahr 1998 –, brachte Michi Beck aka. Hausmarke das großartige Soloalbum Weltweit auf den Markt. Inhaltlich ist die Platte unheimlich breit aufgestellt. Von artigen Songs wie „Mädchen No. 1“ oder „Für Immer“ bis hin zum verruchten „Turntablerocker“ ist alles mit von der Partie.
Solider Beat, durchdachte Lyrics; ein Konzept, das gut durch die 17 Songs der Platte trägt. Als Sahnehäubchen dazu kommen noch Gastauftritte von Max Herre, Afrob, Wyclef Jean und vielen mehr. Bei so guten Voraussetzungen ist es nicht nur ein Jammer, sondern fast unerklärlich, warum es diese CD es nicht unter die Top 100 geschafft hat.

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