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Die andere Meinung: Der goldene Schuss

3 Mai 2010 No Comment

No Hunting

Auf der letzten Vollversammlung zur Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES), einer von 166 Ländern getroffenen Übereinkunft zum Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten, beantragte Kenia die Aufnahme des Löwen in das Washingtoner Artenschutzabkommen (WA), d.h. den 1973 unterzeichneten Konventionstext der CITES. Hätte dieser Antrag Erfolg, würden die Möglichkeiten Löwen zu jagen massiv eingeschränkt. Andere Länder Afrikas wie Botsuana oder die Demokratische Republik Kongo verschärften präventiv schonmal die Auflagen für den Jagdtourismus.

von Jura

Weniger Jäger = mehr Tiere?

Was auf den ersten Blick als sinnvoll und dem Tierschutz dienlich erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Trugschluss. Selbstverständlich werden bei einem Jagdverbot auf Löwen weniger Löwen geschossen – aber sind Jäger wirklich die Hauptbedrohung für diese Tierart? Die CITES-Delegierten waren anderer Meinung und verweigerten die Zustimmung. Und tatsächlich: Der Hauptgrund für den Rückgang der Löwenpopulation ist die Zerstörung ihres Lebensraums durch Land- und Viehwirtschaft. Während Safariveranstalter in Löwen eine jagdbare Tierart sehen, die es zu erhalten gilt, um auch weiterhin Abschussrechte gewinnbringend verkaufen zu können, betrachten Viehzüchter Löwen meist als Bedrohung ihrer Einkommensquellen.

Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters äußerte Australiens führender Krokodilexperte Grahame Webb: „Nur wenn ein Tier wie ein Krokodil einen Wert hat, wird es auch geschützt. Mich hat ein Krokodil schon ins Bein gebissen. Ich weiß deshalb, dass niemand sie toleriert, wenn sie keinen Nutzen bringen!” Wenn sich dieser Nutzen nun nach dem Geldwert eines Abschusses be­misst, dann mag das für Tierfreunde zwar nicht gerade angenehm klingen. Als arterhaltende Maßnahme ist es aber zu vertreten, wenn nicht gar essentiell.

jagd3Was ist mit Schutzgebieten?

Selbstverständlich gab es stets weitere Maßnahmen, so wurden z.B. Schutzgebiete eingerichtet und Jagdverbote erlassen. Allein auf diese Instrumente zu setzen, reicht jedoch nicht aus, wie das Beispiel Kenia zeigt: Die Hoffnungen, die man in das neue Jagdverbot von 1977 setzte, wurden enttäuscht; die Jagdtouristen und entsprechende Einnahmen blieben aus. Ein Jäger gibt im Durchschnitt 400–600 Euro aus – pro Tag wohlgemerkt! So kostet eine Elefantenjagd bis zu 45.000 Euro. Im Gegensatz zu den Einnahmen durch Luxusreisende, die ähnlich hohe Ausgaben haben, fließen die Gewinne aus dem Jagdtourismus aber nicht primär in die Ausstattung von Hotels. Sie kommen dem Erhalt des Lebensraums und der Wildtierhege – also den zentralen Bedürfnissen der Jäger – zugute. In Kenia brachen derweil die Mittel weg, um die Tiere außerhalb der Schutzgebiete zu versorgen. Es lohnte sich nicht mehr, das Land zu erhalten, ließen sich mit Viehhaltung und Landwirtschaft doch mehr Kapital erwirtschaften und Arbeitsplätze schaffen als mit Wildtieren, die keinen Gewinn abwerfen. Mit dem Beschluss eines Jagdverbotes waren somit viele Tierarten außerhalb der Schutzgebiete von der Ausrottung bedroht.

Jagd als Tierschutz

Laut der Wissenschaftszeitschrift New Scientist ging deshalb der Bestand der sogenannten Big Five (die fünf bei Jägern beliebtesten Säugetiere) in Kenia seit 1977 um 60% bis 70% zurück, wohingegen der Anreiz zur Hege in Ländern mit Jagderlaubnis bestehen blieb. Das beste Beispiel hierfür ist das Südliche Breitmaulnashorn: Galt es vor nicht allzu langer Zeit noch als fast ausgestorben, so stieg sein Bestand in den Ländern des südlichen Afrikas (fast alle mit Jagderlaubnis) bis 2008 wieder auf ca. 17.000 Tiere an – trotz oder gerade wegen der von der CITES begrenzten Zahl an Abschüssen und Preisen von bis zu 30.000 Euro. Auch die Bestände des weiterhin vom Aussterben bedrohten Spitzmaulnashorns nehmen nur in zwei Ländern wieder zu: in Namibia und Südafrika. Nicht zufällig erlauben beide Staaten die Jagd und fördern den Jagdtourismus.

Es liegt also auf der Hand, dass die simple Rechnung „weniger Jäger gleich mehr Tiere“ nicht aufgeht. Ohne adäquate Mittel ist der Tierschutz hilflos. In Verbindung mit einer scharfen Kontrolle von Verstößen gegen geltendes Recht stellt der Jagdtourismus daher zwar eine ungewöhnliche, nichtsdestotrotz aber effektive Möglichkeit des Tierschutzes dar – inklusive der Erhaltung des Lebensraums.

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