von Thomas Honegger, Professor der anglistischen Mediävistik an der FSU
Die älteren Jahrgänge unter unseren Leser*innen kennen den Titel meiner Kolumne vielleicht noch als Zitat aus dem französisch-britischen Film The Day of the Jackal (1973) oder aber als Titel des gleichnamigen Albums (1975) der britischen Gruppe Supertramp.
Das Cover-Bild macht auch gleich klar, dass der Titel des Albums wohl eher ironisch gemeint war – was vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise von 1973-1975, ausgelöst durch das Ölembargo der arabischen OPEC-Staaten gegen die USA, damals jedem sofort klar war.
Dieser Blick ein halbes Jahrhundert zurück ist für uns heute deshalb lehrreich, weil er zeigt, dass Krisen zum ganz normalen ‚Tagesgeschäft‘ der Menschheit gehören – wenigstens seit unserer Vertreibung aus dem Paradies. Unsere Gegenwartsfixation hat zur Folge, dass wir unser Versagen, die aktuellen (welt-)politischen Probleme zu lösen, gerne mit Hinweisen auf die multiplen Krisen unserer Gegenwart zu entschuldigen suchen. Nun hat es mit der Flüchtlingskrise, der CoVid Pandemie, dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der massiven Verteuerung der Energie und der Lebenskosten, dem Scheitern der Regierung etc. im letzten Jahrzehnt eine gefühlte Häufung der krisenhaften Situationen gegeben und es besteht die Gefahr, dass durch diesen permanenten ‚Krisen-Diskurs‘ die Krise nicht mehr als „schwierige, gefährliche Lage, in der es um eine Entscheidung geht“ (DWDS) bzw. als einen „entscheidende[r] Wendepunkt im Verlauf einer akuten Krankheit“ (ibid.) interpretiert, sondern als einen nicht zu ändernden Dauerzustand akzeptiert wird – als eine chronische Dauer- und/oder Polykrise eben. Damit werden Krisen nicht mehr als zwar bedrohliche, aber neue Energien freisetzende Situation gesehen, die schließlich aufgelöst und überwunden werden können. Vielmehr präsentieren sie sich als lähmende, die Menschen zu passivem Leiden verdammende Zustände, die das optimistische Erfolgsnarrativ der Moderne konterkarieren. Noch bei Marx werden die Krisen des Kapitalismus positiv interpretiert, da sie zwar temporäre Verwerfungen verursachen, insgesamt jedoch nur eine Phase auf dem langen Weg der Menschheitsentwicklung darstellen, der schlussendlich in der Etablierung einer klassenlosen Gesellschaft mündet. Er stellte sich damit implizit gegen die seit der Antike und im Christentum vorherrschende Interpretation der Krise als Strafe der Götter bzw. Gottes und Teil der conditio humana seit der Vertreibung aus dem Paradies.
Und wie sieht unsere Reaktion auf die Krise aus? Gehören wir zu denen, die eine Krise als Chance sehen und mit einem emphatischen ‚Yes, we can!‘ antworten (bzw. mit der etwas abgeschwächten deutschen Variante ‚Wir schaffen das!‘), oder ziehen wir uns zurück und verschließen die Augen vor der Realität im Sinne von ‘Crisis? What crisis?‘ Bei den meisten wird es wohl etwas dazwischen sein – wofür wiederum die Briten die perfekte Formulierung fanden: ‚to keep a stiff upper lip and soldier on‘ (‚die Ohren steif halten und weitermachen‘). In diesem Sinne: auf ein gutes 2025!