Home » Übrique

Warum hört man eigentlich … nichts über Millionen Tote im Kongo?

9 Juni 2009 One Comment

von fabik

Massenvergewaltigungen, Plünderungen, marodierende Milizen: Es sind die üblichen tragischen Beschreibungen, die aus der kongolesischen Kivu-Region zu uns dringen. Der Kivu-Krieg ist das neueste Kapitel im seit 13 Jahren andauernden Konflikt im Kongo, der mit bisher 5,4 Millionen Toten opferreichsten Auseinandersetzung seit dem Zweiten Weltkrieg. Doch außer in den Berichten von Menschenrechtsorganisationen scheint der Konflikt medial kaum stattzufinden.

Der zentralafrikanische Staat wurde nicht nur zum Spielball allerlei angrenzender Staaten wie z.B. Uganda, Burundi, Angola oder Simbabwe, der Konflikt nicht allein zum sogenannten Afrikanischen Weltkrieg. „Es geht hauptsächlich um den Zugang zu, die Kontrolle von und den Handel mit fünf mineralischen Ressourcen“, sagt ein UN-Bericht. Es ist ein Bündnis von multinationalen Konzernen, korrupten Politikern sowie Generälen und Waffenhändlern. Im Fokus der amerikanischen, europäischen und chinesischen Multis steht die Ausplünderung der Coltan-Vorkommen.

Man hört davon nichts, weil wir es sind, die im Kongo töten. Das Land wurde zum Selbstbedienungsladen, und den Preis zahlen nicht wir, sondern die Kongolesen. Die Vereinten Nationen sprechen von Dutzenden Firmen, die von den Plünderungen profitieren und den Konflikt durch ihre Gelder weiter anheizen: 21 Unterneh­men stammen aus Belgien, zwölf aus Großbritannien, acht aus den USA – und fünf aus Deutschland.

Eine davon ist die Nürnberger „Gesellschaft für Elektrometallurgie“, die im Osten des Kongo eine Erzmine betreibt, der ein Militärstützpunkt des mittlerweile verhafteten Kriegsverbrechers Laurant Nkunda angeschlossen ist. Und auch das Chemieunternehmen Bayer mischt kräftig mit. Die Leverkusener Firma ist der größte Abnehmer kongolesischen Coltans und gehört damit zu den Hauptanheizern des Gemetzels, schreiben die Vereinten Nationen in ihrem Bericht zur „Illegalen Ausplünderung der natürlichen Ressourcen des Kongos“.

Und was hat das alles mit uns zu tun? Der Kongo ist das weltgrößte Abbaugebiet für Coltanerz. Ohne diesen wertvollen und extrem seltenen Rohstoff, der sich als Tantal u.a. in Kondensatoren der Mikroelektronik wiederfindet, wären all unsere Handys, Computer und Videospiele undenkbar.

Ähnliche Artikel die Dich noch interessieren könnten:

  1. Warum hört man eigentlich … nichts von der Neun? Kaum jemand weiß, dass neben seltenen Tierarten oder exotischen Sprachen auch bestimmte Zahlen in ihrem Bestand ernsthaft bedroht sein können. So ergeht es auch der offiziellen Zahl des Jahres 2009: der Neun. von gonzo Aus einer bereits im Februar...
  2. Warum hört man eigentlich … nichts v. Fahrradfahrern? Neulich in den Abendnachrichten: Abwrackprämie, Pendlerpauschale, freie Fahrt für freie Bürger Kfz-Steuer, Mineralölsteuer, Ökosteuer Biodiesel, Bahnprivatisierung, Ölkrise Ortsumgehung, Innenstadtring, Autobahndreieck, Bundesverkehrswegeplan Jagdbergtunnel. Hybrid-Antrieb, Lärmschutzwand, Rußpartikelfilter Autoscout24, Gebrauchtwagen, Reimport, Probefahrt, Neuzulassung Messeneuheit, Zulieferbetrieb, Schlüsselindustrie General Motors, Magna-Deal, Opelaner-Streik Exportweltmeister? TÜV,...
  3. Warum hört man eigentlich … nur Schlechtes über die Weltbank? von bergi In den Massenmedien hört man eigentlich nichts über die Weltbank, aber, wie jeder Couchrevolutionär weiß, jede Menge schlechte Nachrichten von der Weltbank. Ist das gerechtfertigt? Nach verschiedenen wirtschaftlichen Indikatoren (BIP) geht es den Menschen heute ja insgesamt besser....
  4. Warum hört man eigentlich … nur Gutes über Obama? von bergi Also ich persönlich bin froh, dass er endlich vorbei ist, der mal wieder teuerste Wahlkampf aller Zeiten und der historische Tag der Amtseinführung, der dank der Spenden seiner Unterstützer ein “Erfolg” wurde. Der positive Grundtenor, welcher den Mann...
  5. Rezension: Warum Armut kein Schicksal ist Die Ökonomen Daron Acemoglu und James Robinson versuchen in ihren Buch Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut nicht weniger als eine Neubetrachtung der Armut, in der Kultur und Geografie keine Rolle mehr spielen – und...

Bisher Eine Meinung zum Thema: Warum hört man eigentlich … nichts über Millionen Tote im Kongo?

Direkt zum Eingabefeld
  • christoph linge meint:

    für mich ist das ein “schönes” beispiel für aktuellen, also jetzt stattfindenden rassismus.

    wenn so hochgelobte vereine wie die “ärzte gegen dern atomkrieg” auf ihrer website (ippnw.de) krisenherde mit gravierender verletzung der menschenrechte überall auf der welt anführen, dabei aber ganz afrika als kontinent so gut wie gar nicht vorkommt, dann kann es sicher nicht an der “zahlenmässigen unbedeutendheit” der vorgänge dort liegen.

    und ein schlichtes “das haben wir leider vergessen” kann bei vereinen, die sich ob ihrer kapazitäten bei der konfliktprävention feiern, auch nicht gelten…..

Deine Meinung zählt!

Deine Meinung gilt, oder trackbacke von deiner eigenen Webeseite. Du kannst ebenfalls den Kommentaren (Kommentar Feed) via RSS folgen.

Seih nett und spamme nicht!

Du kannst folgende Tags nutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>