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Zweimal Jena bitte! Zofia und die Kleinstadt an der Saale

11 Mai 2004 534 views No Comment

Zofia ist Polin. Sie studiert an dieser Uni Neueste Geschichte – und das mittlerweile zum zweiten Mal. Deutsch hat sie als Kind gelernt, als ihre Eltern in den Achtzigern in der Bundesrepublik Stipendiaten waren. Die meiste Schulzeit verbrachte sie in Polen. unique sprach mit Zofia über ihre Rückkehr nach Deutschland und das Studieren in Jena.

U: ”Zofia, warum fiel deine Wahl, zum Studieren nach Deutschland zu gehen, gleich zwei Mal auf Jena?”
Z.: “Als ich vor vier Jahren das erste Mal nach Deutschland fürs Studium fahren sollte, hat mir der Betreuer meiner Magisterarbeit geraten, nicht in eine Großstadt, sondern lieber in eine kleine Uni-Stadt zu gehen. In Berlin z. B. gäbe es zwar viele gute Professoren, aber an einer großen Uni mit vielen Studenten wäre es viel schwieriger, sich zurecht zu finden und auch unmittelbaren Kontakt zu den Dozenten aufzubauen. Das war ein guter Rat, so entschied ich mich für Jena. An der Uni gibt es für das Fach Neueste Geschichte zwei Professoren, Prof. Niethammer und Prof. Knigge, die ich sehr schätze und die mir bei dem Schreiben meiner Doktorarbeit und davor bei meiner Magisterarbeit sehr viel geholfen haben. Aus Warschau kommend empfinde es als viel angenehmer, in einer kleineren Stadt zu wohnen, wo fast alles zu Fuß erreichbar ist, wo man nur zehn Minuten braucht, um ins Grüne zu gelangen, wo man an jeder Ecke Bekannte oder Freunde trifft und das Leben überhaupt viel entspannter ist. Jena ist eine sehr interessante Stadt mit einer aufregenden Geschichte.”

U: “Wie war das? Wie wurdest du hier aufgenommen von Dozenten und Studenten? “ Z.: “Ich kann mich nicht beschweren. Mein Warschauer Professor kennt Prof. Niethammer und der hat sich meiner sehr angenommen. Das hat mich sehr beeindruckt, denn an der Warschauer Uni gibt es nur wenige Professoren, die so viel Zeit und Interesse für ihre Studenten haben und die so engagierte Lehrer sind. Es gibt einige, aber nicht viele. Eine der ersten Bekanntschaften in Jena, war eine Frau, die neben mir im Kolloqium saß. Sie fragte mich, wo ich herkomme, denn ich würde solche Rechtschreibfehler machen, wie sie kein Deutscher machen würde. Am gleichen Tag hat sie mich dann auch zum Abendessen eingeladen. Inzwischen sind wir gut befreundet. Als ich das zweite Mal nach Jena kam, kannte ich ja schon einige Leute und es war viel einfacher, neue Bekannschaften zu schließen. “

U: “Hat sich in den drei Jahren aus deiner Sicht etwas in Jena verändert? Und wenn was?” Z.: “Na der Jena-Turm wurde renoviert! Ich glaube, ich habe mich sehr verändert. Ich bin jetzt viel aufgeschlossener für Menschen. Vor drei Jahren habe ich hier nicht so ein reges Sozialleben geführt. Damals fand ich die Stadt am Ende doch ein wenig zu klein und langweilig. Jetzt merke ich, dass hier viel los ist. Außerdem wohnte ich damals im Studentenheim in Lobeda. Jetzt wohne ich im Stadtzentrum in einer WG, das ändert auch die Sicht. “
U: “Welche Eigenart des Studierens und Lebens in Jena fordert von dir am meisten Anpassung? “
Z.: “Anpassung – das war, glaube ich, kein Problem, aber es gibt einige Unterschiede. In Deutschland, zumindest in Jena, ist das Studium weniger verschult als an der Uni Warschau. Das ist viel interessanter, aber verlangt auch größere Selbständigkeit. Wobei ich in Warschau gerade eine Studienrichtung belegte, die den Studenten sehr viel Freiheit bot. Mir gefällt auch dieses System, dass man mehrere Fächer studiert (d. h. Haupt- und Nebenfach). In Polen studieren die meisten nur immer ein Fach und kommen aus ihrer Disziplin nicht heraus. Auch habe ich das Gefühl, dass in Jena in Seminaren mehr diskutiert wird als an der Uni Warschau. Aber das mag an den Dozenten liegen, deren Veranstaltungen ich besuche.
U: ”Im Vergleich zu Polen – was macht für dich das Studenten-Sein in Jena aus?” Z.: ”In Jena, finde ich, ist eine gute Atmosphäre zum Studieren. Warschau ist eine Hauptstadt und die Uni geht da irgendwo unter. Jena ist eben eine Uni-Stadt auf die Studenten eingestellt. Man merkt, die Leute geben sich hier viel Mühe, die Studenten anzuziehen und ihnen das Studium möglichst bequem zu machen. Natürlich gibt es hier nicht so ein großes Kulturangebot und die Studenten sind gezwungen, sich alleine zu organisieren: Sie machen Filmabende, organisieren Stammtische, große Partys, bei denen alle WG’s im Haus beteiligt sind, geben Zeitschriften heraus. Und die Stadt ist klein und es ist einfacher, sich zu verabreden. Ich glaube, ich habe mich noch nie so “sozialisiert”, wie jetzt in Jena. “

U: “Was können beide Länder und Menschen von einander lernen? “
Z.: “Die Deutschen könnten von den Polen lernen, wie man das macht, dass sich die Züge nicht so oft verspäten. Die Polen könnten von den Deutschen vielleicht lernen, wie man sich selbst organisieren kann, ich meine in Vereinen, NGO’s usw. Nun mal ernsthaft: ich denke es gibt vieles, was man voneinander lernen kann. Aber erst wäre es vielleicht wichtiger, etwas “übereinander” zu lernen, denn damit sieht es noch nicht sehr gut aus. “

U: “Was möchtest du noch unbedingt in Jena machen, erleben oder erfahren? “ Z.: “Ich würde überhaupt gerne noch länger in Jena bleiben, denn es wohnt sich schön hier. Aber ich war noch nicht in Eisenach, da muss ich noch unbedingt hinfahren, auch gern noch in dieumliegenden Städte wie Gera, Apolda. Sonst bewege ich mich ja nur immer in dem “Wohlstandsdreieck” Leipzig-Jena-Weimar-Erfurt. Ich hab’ schon gemerkt, z.B. in Naumburg sieht die Welt ganz anders aus. “
U: “Wir wünschen dir viel Glück für dieses neue Jahr”

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