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„Big in Japan!“

6 September 2013 No Comment

Ein schattiges Plätzchen auf dem sonnigen Auerworld Festival: Die Jungs von Trio Schmetterling erzählen von dem Verzicht auf Gesang, ihren Zukunftsplänen und der Verbindung zu Franz Schubert.

unique: Warum ordnet ihr euch keiner bestimmten Musikrichtung zu?

Alex: Weil die Musik so ist. [lachen] Dir fällt etwas ein, was passt. Wir können das nie genau abschätzen. Es gibt Einflüsse durch Jazz, Post Rock und viele andere Richtungen. Wir tun uns wirklich schwer, Trio Schmetterling in eine Schublade zu packen.
Jan: Wir könnten dem Ganzen natürlich ein Label verpassen mit vielen Bindestrichen. Bei anderen heißt es dann Wave-Gothik-Super-Electronic-Punk oder so. Aber unsere Musik steht in gewisser Weise für sich. Es ist immer eine Herausforderung auf die Frage „Was macht ihr für Musik?“ zu antworten.
Alex: Wir sagen dann, wie unsere Besetzung ist.
Jan: Und dass es schöne Musik ist.

Woher nehmt ihr eure Inspiration?

Alex: Einflüsse von überall kommen bei Trio Schmetterling zusammen. Wir können eben nicht sagen „Wir stehen total auf Metal“. Es ist ganz viel Verschiedenes. Keisuke und Jan spielen viel Jazz. Bei mir ist es eher Pop-Musik und Indie-Kram.
Jan: Ich habe zum Beispiel mit klassischer Klaviermusik begonnen. Auch das hat Einfluss auf unsere Musik. Man könnte auch sagen, dass Schubert oder Brahms in unsere Musik reinspielen.
Keisuke: Stimmt, ich habe auch sieben Jahre lang Geige spielt. Vornehmlich Klassik.

Aber auf der Website des Auerworld Festivals werdet ihr als Japanischer Pop angekündigt.

Jan: Ja, das finde ich irgendwie lustig. Hier in Europa weiß kaum jemand, was man sich darunter vorstellen soll.
Keisuke: Ich glaube, das kann man mit Humor nehmen.

Wie improvisiert ihr während Auftritten?

Alex: Es sind an sich feste Stücke, aber in einigen Songs gibt es auch Parts, die nicht festgelegt sind. Dann improvisieren wir. Es kann alles passieren und manchmal gelingt das weniger gut. Aber was heißt eigentlich gut? Es wird eben immer anders.
Keisuke: Wir entscheiden stets aus dem Moment heraus, was sich gerade dann gut anfühlt.
Jan: Heute beim Song „21“ habe ich so einen dummen Beat angespielt. [Die anderen beiden stimmen zu und lachen.] Das war ein Moment, in dem ich dachte „Scheiße, was mach ich hier?!“. Aber in solchen Momenten entscheiden wir uns wieder kurzfristig um. Niemand von uns beharrt auf etwas. Wir spielen vor allen Dingen miteinander.

Trio Schmetterling ist eine Instrumentalband. Ist es deswegen schwieriger für euch mit eurer Musik Geschichten zu erzählen?

Alex: Für uns eigentlich nicht. Wir haben mit instrumentaler Musik angefangen und sie studiert. Wir kommen daher. Für uns fühlt es sich deswegen nicht so an, als würde etwas Elementares fehlen. Die Musik sagt auch ohne Gesang für uns sehr viel aus.
Keisuke: Hör dir Schubert an. Das sind krasse Stücke, die auch ohne Gesang auskommen.
Jan: Jeder kann sich sein eigenes Ding aus der Musik spinnen, sich seinen eigenen Reim darauf machen. [lachen] Es ist das Schöne, dass die Musik Genaues offen lässt. Klar mag es Menschen geben die meinen, zu Rock, Pop oder was auch immer gehört Gesang. Anderen fehlt das Saxophon, das normalerweise Teil von Jazz-Musik ist. Bei Trio Schmetterling müssen sich die Leute neu fokussieren.
Keisuke: Ein amerikanischer Jazz-Musiker hat mir mal erzählt, dass er es total liebt in Deutschland zu spielen. Aufgrund der Geschichte der Klassik und der Instrumentalmusik im Allgemeinen ist es hier selbstverständlicher ausschließlich instrumentelle Musik zu hören. Gut für uns.

Ihr habt 2007 auf einem Jam zusammengefunden. Wie kam es dazu?

Alex: Naja, das war ein stückweit geplant.
Jan: Wie das eben so läuft. Wir wurden gecastet… Alles ein abgekartetes Spiel. [lachen]
Alex: Ich musste damals im Rahmen des Studiums eine Zwischenprüfung ablegen bzw. spielen. Keisuke kannte ich durch das Studium, Jan von einem anderen Projekt. Ich dachte, dass es bestimmt spannend wäre mit den beiden und mir. Deswegen sind wir für den Jam zusammen gekommen und haben gespielt; in der Anfangsphase vor allem traditionelle Jazz-Musik. Über die Jahre hat sich daraus etwas Eigenes entwickelt. Die Freundschaft war vor der musikalischen Zusammenarbeit da.

Wo kennt man euch mittlerweile?

Jan: Stimmt, wo waren wir?
Keisuke: In Tschechien…
Alex: Und ein bisschen in der Schweiz. Aber wir waren weder welt- noch europaweit unterwegs. Der Eindruck einer internationalen Band entsteht vor allem, weil Keisuke in New York lebt. Aber als Band waren wir noch nicht in den USA. Im Moment beschränken sich unsere Auftritte vornehmlich auf Deutschland.
Keisuke: Aber kann ja alles noch werden.
Jan: Wir erspielen uns unsere Bekanntheit. Wir sind alle drei nicht die super Promoter-Typen. Wir machen in erster Linie Musik. Alles andere ist eher so ein Übel.
Alex: Die organisatorische Seite ist echt schwierig. Damit kämpfen wir immer.
Jan: Aber so inflationieren unsere Gigs auch nicht und gehen uns auch nicht auf den Sack. [lachen]

Wer hört eure Musik, denn sie gehört ja nicht zum Mainstream?

Keisuke: Ich glaube, wir haben oft viel junges Publikum in unserem Alter.
Alex: Das ist ziemlich cool, weil wir relativ oft in Jazz-Clubs unterwegs sind. Dort ist normalerweise ein älteres Publikum vorzufinden.
Jan: Es sind aber auch ältere Typen dazwischen. Unsere Musik hat eine urige Energie. Manchmal mag sie etwas vertrackt sein und man ihr kann nicht so schnell folgen. Aber für uns fühlt es sich gut an. Und so trifft es vielleicht auch mal einen Achtzigjährigen ins Herz.

Wie organisiert ihr die Proben, wenn Keisuke normalerweise in New York lebt?

Alex: Im Jahr kommen wir zwei- bis dreimal zusammen. Wir müssen immer relativ langfristig planen und versuchen dann, mehrere Gigs am Stück zu spielen, damit es sich lohnt.
Keisuke: Ich komme einige Zeit vor den Auftritten, sodass wir proben können.
Jan. Wir sind eben keine Band, die jede Woche probt. Wir üben vor den Konzerten und erarbeiten uns so Neues.

Was ist euer großes Ziel?

Jan: Big in Japan! [lachen] Nein, wir haben kein konkretes Ziel. Wir spielen und versuchen, es öfter machen zu können. Das ist eigentlich alles.
Alex: Aber es ist schon ein Ziel, möglichst viele Menschen zu erreichen, denn das gibt Bestätigung.
Jan: Ja klar, es ist ein angenehmeres Spielen, wenn die Leute Bock auf die Musik von Trio Schmetterling haben. Aber wir kreieren keine Musik, damit sie möglichst gefällt. Sie kommt einfach von uns. Keisuke, Alex und ich schreiben alle drei Lieder.
Keisuke: Es ist nicht in erster Linie ein Ziel, aber ich finde es geil, dass wir uns stetig weiter entwickeln. Wie laufen zusammen einen Weg. Jeder bringt immer wieder verschiedene musikalische Einflüsse ein, da wir uns schließlich auch individuell entwickeln und uns mit anderen Projekten neben Trio Schmetterling beschäftigen. Wir kommen zusammen und sofort haben der eine oder der andere oder alle eine neue Idee. Das ist ziemlich cool. Auf den Konzerten hört man auch, dass es sich immer um eine Momentaufnahme handelt. Jeder Auftritt in diesem Sommer war anders.
Alex: Und trotzdem klingt es immer nach Trio Schmetterling!

Vielen Dank für das Interview, Trio Schmetterling!

Das Interview führte Rebecca.

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