Home » Thema

Sozial Aktiv: Kein Laden, sondern ein (T)Raum …

9 Juni 2009 No Comment

von Annette Schlemm

Ein Umsonstladen ist ein Projekt der gegenseitigen Hilfe, bei dem Menschen nützliche Dinge abgeben und mitnehmen können, ohne dass dabei Geld bezahlt werden muss oder die Dinge direkt gegeneinander getauscht werden müssen. Im Umsonst(T)raum in Jena gibt es Dinge ohne Geld und Menschen verschenken Sachen ohne Gegenleistung. Ist hier der Traum vom Schlaraffenland wahr geworden? Nun, auch bei uns wächst nichts auf den Bäumen. Aber wir kümmern uns da­rum, dass brauchbare Konsumgüter nicht vorzeitig weggeworfen werden und Menschen nehmen können, was sie benötigen. Für Studierende gibt es z.B. Haushaltsgegenstände, die in einer Küche immer mal gebraucht werden: Tassen, Teller, manchmal auch Kaffeemaschinen, Bücher, CDs, Taschen, Spielsachen und Vieles mehr wartet auf neue Nutzerinnen und Nutzer. Für Kleidung haben wir keinen Platz, die bitten wir gleich zum DRK-Laden zu bringen. Natürlich kommt dieser Ort vor allem jenen zugute, die wenig Geld zum Kaufen haben. Aber es geht nicht nur darum. Wir wollen mit unserem Umsonst(T)raum auch ein Keim dafür sein, dass nicht immer mehr Bereiche des Lebens der Geldlogik unterworfen werden. Wir verteilen erst einmal nur den Überfluss dieser Gesellschaft.

An unseren Computern kann man Freie Software herunterladen und sich beraten lassen, wie man sie nutzt. Wir informieren darüber, wie sich Menschen auf der ganzen Welt zusammengetan haben, um ihre Zeit freiwillig und ganz ohne kommerzielle Interessen der Herstellung solcher Software zu widmen. Bisher funktionierte das nur bei Computerprogrammen und anderen Kulturgütern wie Musik, Texten usw. (unter der Creative-Commons-Lizenz). So langsam schwappt die Praxis des selbst organisierten, unentgeltlichen Tuns aber auch über in den Hardwarebereich: Außerhalb kommerzieller Unternehmen entwickeln Menschen gegenständliche Produkte und stellen die dazugehörigen Konstruktionsunterlagen im Internet frei zur Verfügung. Gleichzeitig setzen sich weltweit soziale und ökologische Bewegungen für eine Rückgewinnung und den Schutz der Gemeingüter (Commons) ein, die alle Menschen zum Leben brauchen (Wasser, Land etc.). Es entwickeln sich Anfänge einer Wirtschaft, die nicht mehr durchs Nadelöhr der Shareholder-Profitinteressen schlüpfen muss: selbstbestimmt, selbst organisiert, mit Spaß an der Kooperation und Freude am Nehmen und Geben.

Der Umsonst(T)raum versteht sich dabei als ein Baustein, als ein Ort, wo ein anderer Umgang mit den Dingen, die wir brauchen, erprobt wird. Wenn wir es wollen bzw. ihr und genügend Menschen mitmachen, können wir auch Werkstätten zum Selberbauen und Vieles mehr gründen. Während der Öffnungszeiten könnt Ihr uns gern besuchen. Wer selbst Öffnungszeiten betreuen möchte, ist ebenfalls herzlich willkommen. Besonders interessiert sind wir auch an Menschen, die weiterführende Ideen und Praktiken mitentwickeln wollen. Kommt direkt vorbei oder meldet Euch über die unten genannten Webseiten.

Wir sehen uns!

Anschrift:
Umsonst(T)raum Jena
Unterm Markt 2
07743 Jena
(gegenüber dem Kirstenschen Haus,
1. Etage, in den Räumen des MobB e.V.)

Öffnungszeiten:
Mo, Di, Mi, Fr: 10-12 Uhr
Di zusätzlich von 16-18 Uhr
Do: 17.30-19.30 Uhr
Zu all diesen Zeiten ist auch unser Medien-Café geöffnet.

Internet:
www.umsonsttraum.org
zw-jena.de/mensch/commons01.html

Ähnliche Artikel die Dich noch interessieren könnten:

  1. Sozial Aktiv: Besser sammeln als gammeln! „Ich habe einen Pottwal gefunden!“ – „Ich kann Dir dafür Sumpfschildkröten geben!“ – „Hat hier jemand Kegelrobben??“ An einem großen Tisch im Winzerlaer Freizeitladen tummeln sich etwa 10 Kinder und geben lauthals ihre Gebote ab. Allerdings findet hier kein...
  2. Sozial Aktiv: Volamos juntos – Eine neue spanische Airline? Nicht ganz… von Sahra Rausch Da standen wir also im Nieselregen und selbst unsere Regenjacken konnten das beständige Tröpfeln von den Bäumen auf unsere bereits feuchten Haare nicht mehr abwehren. Nach stundenlanger Wolkendusche mussten wir uns was einfallen lassen: Wir spannten Mülltüten...
  3. Die andere Meinung … Kein Geld an afrikanische Kinder! Werbetafeln und -spots mit Slogans wie „Hoffnung spenden – Helfen Sie Menschen in Afrika“, „Kinder in Afrika vor Armut schützen“ oder sogar „Computer spenden für Afrika“ sind seit Jahrzehnten allgegenwärtig. Meistens sind es NGOs oder Hilfsorganisationen, deren einzige Aufgabe...
  4. memorique: Elefanten im Raum „Deutsche/s in Palästina und Israel“: Jenaer Studenten und Doktoranden erleben im Nahen Osten die Allgegenwärtigkeit von Geschichte und die innere Zerrissenheit eines Landes, die ihnen vorher nicht bewusst war. Wir sind in Israel, genauer in Nazareth und besichtigen einen deutschen...
  5. Rezension: Warum Armut kein Schicksal ist Die Ökonomen Daron Acemoglu und James Robinson versuchen in ihren Buch Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut nicht weniger als eine Neubetrachtung der Armut, in der Kultur und Geografie keine Rolle mehr spielen – und...

Deine Meinung zählt!

Deine Meinung gilt, oder trackbacke von deiner eigenen Webeseite. Du kannst ebenfalls den Kommentaren (Kommentar Feed) via RSS folgen.

Seih nett und spamme nicht!

Du kannst folgende Tags nutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>