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Prof. Dr. Meyn (Rektor der FSU) zur Internationalität der Almer Mater

11 April 2003 602 views No Comment

Herr Rektor Meyn, was macht für Sie eine internationale Hochschule aus?\r
Für die Beantwortung dieser Frage muss man in mehrerer Hinsicht Differenzierungen treffen und auch Einschränkungen vornehmen. So wird es eine internationale Hochschule im eigentlichen Sinne nie geben, denn dies würde bedeuten, dass mehr Bildungsausländer als -inländer immatrikuliert sein müssten. Verwendet man hier also den Begriff der Internationalisierung führt dies zu falschen Vorstellungen und Assoziationen.\r
Des Weiteren muss man hinsichtlich einer fortschreitenden internationalen Öffnung der Hochschulen den Bereich der Studierenden von dem der Post Graduierten bzw. Hochschullehrern trennen.\r
Bei dieser Trennung lässt sich aber resümieren, dass Jena im Bereich der Nichtgraduierten lediglich einen Anteil von nahezu konstanten 4,2% gegenüber bundesweit durchschnittlich 7% an ausländischen Studierenden auf weist. Ein Defizit für Jena?\r
Dabei vergisst man zum einen, dass bei insgesamt steigenden Studierendenzahlen auch die Zahl der ausländischen Studierenden, absolut gesehen, zunimmt. Zum anderen ist die FSU verstärkter darum bemüht für gut qualifizierte Post-Graduierte und Hochschullehrer aus dem Ausland ein Tätigkeitsfeld zu bieten, um hierüber die internationale Anbindung der Jenaer Forschung und Lehre zu ermöglichen.\r
In welchen Dimensionen bewegt sich die “Quote“ der zweiten Gruppe, der Postgraduierten?\r
Zurzeit sind es an der Universität 18,5% und mit Blick auf die vorangegangenen Jahre: Tendenz steigend!\r
Woran liegt dieser hohe Zuspruch, hat er Ihrer Meinung nach konkrete Ursachen?\r
Ja, sehr konkrete. Zum einen ist es der gute Ruf und Namen der alter- würdigen Universität Jena. Das allein schafft aber noch keine neuen Kontakte. Diese entstehen auf Grundlage fachlich-persönlicher Beziehungen unserer Hochschulangehörigen mit nichtdeutschen Instituten. Dank dieser Kontakte, welche von den Hochschuldozierenden auch an die Universitätsleitung weitergegeben werden, schafft es die Universität im Ausland – besonders im Bereich der Forschung – im Gespräch zu bleiben\r
und folglich aus diesen “Bekannten kreis“ interessante Verpflichtungen und Kooperationen einzugehen und zu pflegen.\r
Können Sie konkrete, aktuelle Beispiele benennen?\r
Ganz aktuell ist zum Beispiel die Partnerschaft des “Otto-Schott-Institut für Glaschemie“ mit der Universidad Federal de Säo Carlos in Brasilien. Für weitere Kooperationsvereinbarungen bestehen Anfragen, so zum Beispiel aus St. Petersburg für die Fachbereiche Medizin und Rechtswissenschaften. Im Übrigen sollen in naher Zukunft die Kooperationen mit osteuropäischen Hochschulen, sozusagen anknüpfend an die in Vorwendezeiten bereits bestandenen Kooperationen, intensiviert werden.\r
Ich würde gerne noch einmal auf die studentischen “Bildungsausländer“ zurückkommen. Warum denken Sie, ist der Zuspruch für Jena noch so gering?\r
Jena ist unter den Studierenden im Ausland noch keine so feste Größe wie es andere deutsche Hochschulstädte bereits sind. Viel leicht ist aber auch der gute Ruf der Jenaer Forschung im Ausland dominierender, als es der der Lehre ist. Was auch nochmals den hohen Zuspruch bei Post-Graduierten erklärt. Bei weitem ist der Zuspruch nicht so gering wie er es durch die Zahlen zu sein scheint. Denn die Friedrich-Schiller-Universität ist keine Massenuni und deshalb können wohl auch keine “Massen“ von ausländischen Studierenden erwartet werden.\r
Denken Sie, dass die ausländischen Studierenden sich an der FSU bzw. in Jena wohl fühlen? Welchen Eindruck haben Sie?\r
In Gesprächen wird klar bekundet, dass man sich an der FSU und in Jena wohl fühlt.\r
Gibt es Wünsche, die Ihnen als Rektor für die deutschen Universitätsangehörigen angetragen werden, oder haben Sie selber diesbezüglich ein Anliegen?\r
Ein Anliegen geht wirklich an die Adresse der deutschen Studierenden. So wird sich oft gewünscht,\r
dass man mehr aufeinander zugeht. Es fehlt oft bei deutschen Studierenden die Neugier an dem Anderen. Vielleicht auch ein Resultat aus einer oft zu unterkühlt gelebten deutschen Gastfreundschaft. Aus Sicht der deutschen Kommilitonen vielleicht aber auch ein Resultat aus der Erfahrung das ausländische Studierende oft mangelnde Deutschkenntnisse an die FSU mitbringen und sich so eine Kommunikation erschwert.\r
Man könnte also sagen: Mehr Neugier ist gleich mehr gelebte Internationalität an der FSU und in Jena?\r
Ja.\r
Wie könnte so eine “gelebte Neugier“ aussehen?\r
Man sollte viel häufiger einfach auf einander zugehen und die Gelegenheit nutzen, in Seminaren und Vorlesungen aber auch zwischen den Veranstaltungen das Gespräch zu suchen. Die Anwesenheit ausländischer Studierender ist als Gelegenheit zu begreifen, Neues kennen und verstehen zu lernen. Denn bereits hier können Kontakte geknüpft werden von denen man später auf vielfältige Art profitieren kann. Hier geschlossene Bekanntschaften können so eine nachhaltige Wirkung erzielen.\r
Vielen Dank für das Gespräch.’, ‘Artikel’, 1, ’20031007135404′, ‘Prof. Karl-Ulrich Meyn’, ‘UNIQUE’, ”, ”, ’1′, ‘deutsch’, ”, ”, 0),

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