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23 August 2014 No Comment

(Foto: © VIADATA // Holger John)

Nneka singt sich durch viele Musikrichtungen; verliert ihr Ziel, die Welt ein Stück zu verändern, aber nicht aus den Augen.

von Lena

Um 20.09 Uhr schallen plötzlich die ersten Akkorde von der Bühne: Ohne Vorwarnung oder Vorband erschien Nneka und überrumpelte die gut gefüllte Kulturarena. Doch der Funken wollte – zunächst – nicht überspringen.  Die 33-jährige Sängerin, mit Tee und ihrem obligatorischen Kopftuch, schien sich selbst noch aufwärmen zu müssen. Es dauerte aber nicht lange, bis immer mehr Köpfe und Körper im Takt wippten. Lied um Lied erhitzte sich die Stimmung; die kalte Abendluft war vergessen. Die Wahl-Hamburgerin Nneka trug Afrika nicht nur auf ihrem Kaputzenpullover, sondern auch im Herzen: Ihre wenigen kurzen Ansprachen nutze sie, um dem bunt gemischten Publikum den Einfluss ihrer nigerianischen Heimat auf ihre Songtexte näherzugbringen. In ihnen verarbeite ihre Kindheit und Jugend in Afrika, mit dem Ziel, etwas zu verändern und eine bessere Welt zu schaffen.
Zumindest eine eigene Welt hat sie auf dem Konzert geschaffen. Immer tiefer wurden die Zuhörer in den Sog ihrer Musik gezogen. Nneka nahm keine Rücksicht auf gängige Unterscheidungen zwischen Reggae, Pop, Soul und Hip-Hop, sondern ließ sie leichtfüßig in ihrem ganz eigenen Stil zusammenfließen. Abgerundet wurde dieses bunte Klangerlebnis durch die Beatboxeinlage ihres Bandkollegen. Auch wenn ihr Stil jeder Definition versagt: Nnekas Gänsehaut-Stimme berührte die 1.800 Zuschauer sichtlich und bildete eine phänomenale Konstante. Die Sängerin spielt keine Retortenmusik, produziert in den sterilen Studios großer Plattenfirmen. Wie sehr sie ihre eigenen Lieder spürt, zeigte sie dem Publikum durch ihre emotionale Körpersprache. Sie bittet das Publikum, ihre Musik als Medizin zu sehen, die es kostenlos und ohne Rezept gibt. Liebe, Familie, Geborgenheit, Hoffnung, aber auch Korruption, Ungerechtigkeit und Einsamkeit streift sie mit ihren Texten. Jeder Einzelne auf dem Theatervorplatz konnte sich sein Krümchen picken. Als „Heartbeat“, der internationale Hit des Jahres 2008, erklang, waren auch die letzten Zuhörer im Bann der Sängerin gefangen.
Nneka überzeugt durch Individualität, Exotik und eine Wahnsinnsstimme. Sie ist nicht zu greifen, berührt ihr Publikum aber und kommt mit jedem Lied dem Ziel näher, die Welt ein kleines Stück besser zu machen.

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