Mit dem Bachelor ins Ausland Gestufte Studiengänge für mehr Internationalität?
‘Christian/Nele’, ‘Mit dem Bachelor ins Ausland’, ‘Gestufte Studiengänge für mehr Internationalität?’, ‘Über 50.000 deutsche Studierende studieren in diesem Sommersemester an einer Hochschule im Ausland. Das sind viele, aber nach Meinung der europäischen Bildungspolitiker noch lange nicht genug. Deshalb hat man sich im Rahmen des so genannten Bologna-Prozesses auf die Fahnen geschrieben, die europäischen Studienabschlüsse vergleichbarer zu machen und dadurch das Auslandsstudium zumindest innerhalb der Grenzen der EU zu erleichtern. Wichtig ist dazu die Einführung von gestuften Studiengängen. Wer in einem gestuften Studiengang eingeschrieben ist, erhält bereits nach kurzer Zeit, meist nach drei Jahren, einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss. Auf diesen baut dann ein zweiter Studiengang auf. In anderen europäischen Ländern sind gestufte Studiengänge schon seit langem normal. In Deutschland beginnt man erst seit einigen Jahren die ersten Bachelor- und Masterstudiengänge zu akkreditieren.
So weit, so sinnvoll! Wenn sich Deutschland seinen europäischen Nachbarländern anpasst, wird ein Auslandsstudium einfacher. Mit einem Bachelor aus Jena sollte es überhaupt kein Problem sein, den darauf aufbau- enden Master in Warschau, Paris oder Athen zu machen.
Eine schlampige Umsetzung und eine falsche Prioritätenfestlegung von Seiten der Politik führen derzeit aber leider nicht zum gewünschten Ergebnis. Die neuen Vorteile können deshalb kaum genutzt werden.
Zum einen verstärkt sich der Glaube, dass es Ziel sei, Bachelor-Studiengänge nur deshalb einzuführen, um eine schnellere Hochschulausbildung zu ermöglichen. Studierende sollen die Hochschule schon nach drei Jahren wieder verlassen. Dementsprechend gibt es die Tendenz: Bachelor für viele, Master für wenige! Werden gestufte Studiengänge allerdings als Vorwand benutzt, um weniger Geld in Bildung zu investieren, wird man nicht internationaler oder wettbewerbsfähiger, sondern nimmt ganz bewusst eine Verdummung der Gesellschaft in Kauf. Damit es nicht zu einem Qualitätsverlust kommt, muss bei der Einführung der gestuften Studiengänge explizit als Ziel festgeschrieben werden, dass Studierende die Hochschule mit einem Master verlassen. Der Bachelor sollte nur für diejenige eine Chance sein, die ihr Studium nicht zu Ende bringen wollen. Diese können dann sozusagen nach drei Jahren die Hochschule verlassen und stehen nicht, wie bisher, mit leeren Händen da. Zum anderen muss man die Frage stellen, ob es ausreicht, gestufte Studiengänge (oder andere strukturelle Maßnahmen wie ECTS oder ein “diploma supplement“) einzuführen, oder ob es nicht viel wichtiger ist, den Lehrplan internationaler auszurichten und Sprachkenntnisse zu fördern. Was nützt es, wenn ich einen Bachelor habe und damit ins Ausland gehen will, aber im Endeffekt, wegen fehlender Sprachkenntnisse und fehlender interkultureller Kompetenz, doch in Jena bleibe?
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