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Im Herbst sind nicht nur die Blätter bunt: die Mega Manga Convention

8 Oktober 2013 No Comment

Am vergangenen Wochenende fand die Mega Manga Convention in Berlin statt. Neben den vielen Show-Acts und Signierstunden sind sie die heimlichen Stars der Veranstaltung: Die Cosplayer.

von Makito & Patrick Arthur

In Europa und den westlichen Ländern ist die japanische Kultur für viele Kinder, Jugendliche und junge Heranwachsende viel vertrauter als älteren Generationen vor ihnen. Woran das liegt? Allem voran am Manga und den dazugehörigen Anime-Serien: Es sind DIE Exportmarken aus Japan. Dabei hört es nicht bei einer gezeichneten Handlung mit ihren Charakteren oder der Animation auf – im Gegenteil; durch Videospiele, Filme, Soundtracks und die japanische Musikszene wird der Markt regelrecht damit überschwemmt. Und die Fans können nicht genug haben. In der Szene wird auch von einem „Otaku“ gesprochen, sprich: einem richtigen Fan von mehreren Manga- und Anime-Serien. Dazu gehört natürlich auch das Kostümieren und Verkleiden, um seinen Lieblingscharakter aus den Geschichten nachzustellen. Die Community wird dabei immer größer und es ist nicht mal verwunderlich, wenn junge Eltern ihre Kids verkleiden und sich mit ihnen auf einer Convention sehen lassen.

Mehrere Cosplayer lassen sich auch gemeinsam in größeren Gruppen fotografieren. Professionelle Fotografen, die sich auf den Cosplay spezialisiert haben, suchen immer wieder neue Modelle. Die Mega Manga Convention (MMC) in Berlin-Reineckendorf hatte in diesem Jahr einen regelrechten Ansturm zu bewältigen, für den die dann doch etwas zu klein geratenen Räume des Fontane-Hauses nicht wirklich geschaffen waren: Am Samstag wurden zeitweise schon ab 12 Uhr keine weiteren Tickets mehr verkauft, weil die Convention schon aus allen metaphorischen Nähten platzte.
Das Kostümieren sieht man aber auch bei vielen anderen Veranstaltungen und Conventions. Verkleidungen aus den Disney-Filmen, dem Marvel- oder DC-Universum retten immer mal wieder den Tag; selbst die Internationale Funkausstellung IFA ’13 konnte man verkleidet sogar kostenfrei besuchen.
Für viele gehört ein selbstgemachtes Kostüm einfach dazu, andere ‚kaufen’ sich lieber ihre Lieblingscharaktere. Dabei geht es nicht nur um das beste Aussehen oder das tollste Cosplay, sondern auch darum, beim Fotografieren die typischen Posen des Lieblingshelden nachzustellen oder sich auch in den Charakter hineinzuversetzen. „Ich persönlich finde natürlich Selbstgenähtes schöner. ‚Welchen Charakter nehme ich, wer passt zu mir? Und wie setze ich das Kostüm für meine Person um?’ Es ist einfach dieser Prozess. Der macht mir mehr Spaß, als wenn ich mir einfach ein fertiges Kostüm kaufe“, so Laura, eine Cosplayerin auf der MMC, die sich schon seit 2008  in der Szene auskennt.

Phil beim Cosplay als "Kirito"

Phil beim Cosplay als "Kirito"

Nicht immer ist es leicht, den Mut dazu aufzubringen, sich extravagant zu verkleiden – vor allem, wenn man innerhalb der Familien- und Freundeskreise eher auf Skepsis und Ablehnung stößt. So etwa Phil, der sich bei der diesjährigen MMC ebenfalls verkleidet hat: „Meine Freunde, gerade meine Arbeitskollegen, waren am Anfang sehr skeptisch, weil sie eben mit dieser Szene nichts anfangen können. Sie fanden es am Anfang ein bisschen ulkig und merkwürdig. Als ich aber ein wenig davon erzählt hatte, wie das hier allgemein so ist, fanden sie’ s doch am Ende ganz cool und sind auch gespannt, was ich hier von der Messe erzählen und was ich für Fotos zeigen kann.“ Für viele ist es eben ein Hobby, dem man einfach nachgeht – und sich dabei auch wohl fühlt. Es gibt regelmäßige Treffen in Berlin, wie etwa den „Cosplaygarten“ am Alexanderplatz, und auch im Internet tauscht man gerne seine Erfahrungen aus. Trotzdem gibt es noch viele verwunderte Blicke von Leuten, sobald sie in der Öffentlichkeit auf die Cosplayer treffen.

Es scheint, als sei die Toleranz größer als noch vor einigen Jahren, auch wenn es immer noch Reportagen gibt, die diese Gemeinde eher negativ darstellen, etwa kürzlich bei einem Bericht eines privaten Senders über die Gamer und Besucher der Gamescom. Daraufhin gab es einen regelrechten „Shitstorm“, Kritik von Seiten der Gamer und Fans und natürlich Gegenberichte, die alles aus ihrer Sicht darstellen sollten. Dennoch kann man immer mehr beobachten, dass die Cosplayer mit ihren fantasievollen Kostümen, egal ob selbst genäht oder gekauft, ihrer sympathischen Art und meist auch einem gesunden Maß an Witz, ein wenig Farbe in das meist graue und triste Märkische Viertel gebracht haben.

(Fotos: Belind Hajy & Patrick Arthur)

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