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Lutsch mein’ Schw…

9 Juni 2009 No Comment

Frauen passen gut zu Rapmusik. Zumindest wenn sie üppig und willig sind. Sexismus hat Konjunktur im Hip Hop, denn er verkauft Millionen. Let’s get it on, bitches!

von rokko rehbein

Chris Rock kann Sachverhalte einfach auf den Punkt bringen: „I love rap music, but these days it’s hard to defend that shit“, krächzt der US-amerikanische Comedian seinem Publikum entgegen, „all these lyrics are disgusting and degrading to women – it’s hard man!“ Sex sells. Das weiß doch jeder. Und am besten verkauft er sich seit Jahren im Hip Hop – der Goldgrube der amerikanischen Popmusikindustrie. In aufwendig produzierten Videos mit überraschend einfallsreichen Plots zünfteln sich meist mit Goldketten betonierte Rapper durch eine Welt von Felgen, Autos und prallen Frauenkörpern. Diese üppigen Schönheiten haben nicht nur Gardemaße, sondern auch eine Attitüde, die jeden Single zum Geldverdienen einlädt – oder wie Lil Wayne es trefflich beschreibt: „She all on my dick, ’cauz I make a lot of money.“

Softpornos mit Pampel-Musen
Man hat zuweilen das Gefühl, einen Softporno zu sehen, in dem ein fuchtelnder Rapmusiker aus Versehen das falsche Filmset aufgesucht hat. Denn Frauen dienen den Poeten in diesen Videos und ihren Texten häufig nur als Pampel-Musen, als Bild passiver, geiler Früchtchen, die auf Geheiß des Rappers ihre Schale ablegen und von seiner überbordenden Männlichkeit willig vernascht werden. Die Befriedigung ihrer Triebe dient dem lyrischen Ich dabei nur als Manifestation seiner sexuellen Macht und seines sozialen Status in einer von Männlichkeit geprägten Welt – frei nach dem Motto: Sexismus sells. In Deutschland konnten offen sexistische Raptexte erst in den letzten fünf Jahren öffentlichkeitswirksam etabliert werden. Noch Ende der 1990er-Jahre avancierten das verliebte Buchstabieren des Namens „A-N-N-A“ (Freundeskreis) und die romantischen Gedanken eines Curse über „Wahre Liebe“ zu erfolgreichen Songs in der jungen Rapublik. Vor allem durch den kommerziellen Erfolg des Labels „Aggro Berlin“ hat sich eine neue Art von Texten durchgesetzt, die kompromisslos und martialisch vom Leben in Wohnblockwüsten bzw. den dortigen Gepflogenheiten erzählen – und in denen für Romantik kaum Platz ist. So dichtete der selbsternannte „Rosettenfetischist“ Sido dezent den „Arschficksong“, in dem eben auch mal der Po der Gespielin blutet, und ein King Orgasmus fasst die gemeinsame Abendgestaltung mit Mätresse knapp mit „Fick mich und halt dein Maul!“ zusammen. „Nutte“, „Bitch“ und ähnliche Kosenamen werden hier ganz allgemein als Metapher für Schwäche, Unterwürfigkeit und angeblich fehlende Klasse verwendet.

Schlampen mit Selbstbewusstsein
Ein Zustand, den die deutsch-türkische Rapperin Lady Bitch Ray ändern möchte. Seit geraumer Zeit pöbelt sie sich sexuell aggressiv, selbstbewusst und affektiert provokant durch die bundesdeutsche Medien- und Musiklandschaft. Für sie ist das Wort „Bitch“ positiv besetzt. „Das ist eine Frau, die sich nimmt, was sie braucht“, meint sie. Und diesen Bedeutungswandel drückt sie vorzugsweise in Form pornographischer Texte aus. Lady Bitch Rays sexuelle Freizügigkeit stellt vor allem einen Angriff auf das oft konservative Rollenverständnis der türkischstämmigen Gemeinschaft dar. Einen Plattenvertrag hat sie allerdings noch nicht, scheinbar gibt es keinen Markt für diese Art von Hip-Hop-Emanzipation. Und vielleicht ist der Grund dafür so einfach, wie Chris Rock ihn formuliert: „If you tell a woman that the song is digusting and degrading to women, they all give you the same answer: He ain’t talking about me!“

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