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Liebes Jena

7 Januar 2009 No Comment

Von: Maximiliane Theml
An: Jena
Betreff: Du hast Konkurrenz
bekommen!

Ich muss ehrlich zugeben: Du hast Konkurrenz bekommen! „Konkurrenz!?”, wirst Du Dich nun fragen -„Ich?” Schiller hat hier gelehrt. Die Uni hat ihm ihren Namen zu verdanken. Von Zeiss und Schott ganz zu Schweigen! Und der Titel “Stadt der Wissenschaft 2008″ spricht ja wohl für sich selbst. Das sind gewichtige Argumente – wohl war! Aber die Uni-Stadt, die mit Dir, liebes Jena, in Konkurrenz steht, kennen sicher nur die wenigsten. Und doch hat sie mein Herz erobert: Olomouc.
Die übliche Reaktion allein auf ihren Namen besteht aus purer Ahnungslosigkeit. Der Zusatz, dass es sich um eine tschechische Kleinstadt in Mähren, zu deutsch Olmütz, handelt, führt in geographischer Hinsicht zwar (hoffentlich) zu erhellteren Gesichtern – zu mehr aber leider auch nicht. Deswegen die wichtigsten Infos: Olomouc hat circa 100.000 Einwohner und liegt im Osten Tschechiens unweit der polnischen Grenze. Kulturell, historisch und touristisch führt Olomouc einen nicht zu gewinnenden Kampf mit der Hauptstadt und wird deswegen auch „Kleines Prag” genannt. Die Uni, benannt nach František Palacký, dem „Vater der Nation”, ist (hinter Prag natürlich) die zweitgrößte in Tschechien und wird von ungefähr 20.000 Studenten besucht. Ihre acht Fakultäten sind übers gesamte Stadtgebiet verteilt, was Olomouc während der Vorlesungszeit sehr lebendig und jung macht – aber davon kann ja auch Jena ein Lied singen. An der Philosophischen Fakultät bin ich für zwei Semester eingeschrieben, um innerhalb des sogenannten „Central European Studies”-Programms Politikwissenschaft zu studieren.
Was macht Olomouc darüber hinaus nicht nur für mich so liebenswert? Notorische Nörgler würden es drastisch ausdrücken: Tschechien hat viele Macken und Eigenheiten, die einen teils wahnsinnig machen können. Mit einem verschmitztem Lächeln behaupte ich hingegen, dass dieses Land eben Charakter hat! Charakteristisch ist Tschechiens Hang zum Komplizierten. Die Bezahlung der Wohnheimmiete kann beispielsweise nur bar an der Rezeption erfolgen. Es gibt dort ein EC-Kartenlese-Gerät. Jedesmal schaut es mich flehentlich an und ruft „Benutz mich! Benutz mich!” – vorbehalten bleibt es trotzdem nur Feriengästen. Trotz vieler derartiger Erlebnisse, über die ich im Nachhinein sicher herzlich lachen kann, sind mir Olomouc und Tschechien ans Herz gewachsen. Die Menschen, Dozenten und Studenten dort machten mir das Einleben leicht. Im Gegensatz zu „normalen” Tschechen, die Fremden gegenüber häufig sehr zurückhaltend und schüchtern auftreten, verhielten sich vor allem die Dozenten der Politikwissenschaft und Anglistik/Amerikanistik sehr aufgeschlossen, aufrichtig nett und hilfsbereit. Mit Begeisterung lernte ich in den ersten Wochen und Monaten viel über die Geschichte und die Begebenheiten Ost- und Zentraleuropas. So bin ich im Nachhinein wirklich froh mich genau für dieses Land und diese Stadt entschieden zu haben.
Bleibt allein die Frage, wer die Konkurrenz gewinnt? Als klare Gewinnerin gehe ich hervor. Beide Städte, Jena und Olomouc, geben mir sehr viel: neue Erkenntnisse und Freunde, Witziges sowie jede Menge Spaß. So betrachtet sehe ich die „Konkurrenz” zu Jena wirklich positiv und mit Begeisterung.

 

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