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Karriereplanung schon im Studium?

14 April 2019 No Comment
® Christoph Worsch

® Christoph Worsch

Was kann man schon im Studium für sein späteres Berufleben tun? Welche Weichen müssen rechtzeitig gestellt werden? Und welche Schwierigkeiten haben insbesondere internationale Studierende? Bei diesen Fragen kann man den Career and Welcome Point der Universität Jena kontaktiert. Wir haben mit der Beratungsstelle gesprochen.

von Irem

Das Timing wichtiger Lebensfragen ist manchmal ziemlich witzig. Die Frage, wie es nach meinem Studium weitergehen soll, stellt sich mir meistens während einer Party unter den verrückten Lichtern des Nachtclubs. Vielleicht versucht mein Unterbewusstsein, diese Momente des Spaßes zu sabotieren. Trotzdem hat es recht. Was könnten mögliche Beschäftigungsbereiche sein? Ist ein Praktikum notwendig, um die beste Ausgangssituation für eine unbefristete Stelle zu erhalten? Wie und wo kann ich mir neue Fähigkeiten aneignen?

Um diese Fragen zu beantworten, habe ich den Career and Welcome Point der Universität Jena kontaktiert. „Vielen Studenten kommt das Thema erst in den Sinn, wenn sie ihre Bachelor- oder Masterarbeit abgegeben haben“, so stellvertretende Projektleiterin Ekaterina Maruk. „Aber das Unternehmen braucht ja erstmal Zeit, die Unterlagen zu sichten, sich zu melden und das vielleicht mit der zuständigen Abteilung zu klären.“ Der Career and Welcome Point versucht mit seinen Angeboten, die Studenten kontinuierlich mit Informationen zu versorgen, damit sie sich nicht erst im letzten Moment vorbereiten. Die neue Abteilung der FSU bietet ihnen seit April 2018 die Gelegenheit, Antworten auf ihre Zukunftsfragen zu finden. Seit der Eröffnung der Abteilung besuchten über 70 Studenten die Anlaufstelle zur allgemeinen Beratung oder Unterstützung bei Lebenslauf und Praktikumsvermittlung.

Der Career and Welcome Point wird durch den Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert und ist somit Teil des Projekts „Hochqualifiziert.International.Thüringen“. Dieser Lokalbezug zeigt sich auch in den vielen Verbindungen zu Unternehmen in Thüringen – insbesondere zu solchen, die nicht jedem bekannt sind. Viele internationale Studenten tendieren dazu, zunächst nach Praktikumsmöglichkeiten in größeren Unternehmen zu suchen, da sie diese auch aus ihrer Heimat kennen. So fallen im Gespräch meistens die Namen der fünf größten Unternehmen deutschlandweit, wie Bosch oder Siemens. „Meistens kennen die Studenten keine weiteren Firmen – dann muss man weiter recherchieren. Das ist aber nicht nur ein Problem von internationalen Studenten, sondern auch von deutschen Studenten“ erzählt Maruk.

Insgesamt sind die Herausforderungen internationaler Studenten gar nicht so verschieden von denen Deutscher. Die stellvertretende Projektleiterin erklärt, dass viele Firmen, an die der Career and Welcome Point internationale Studenten vermittelt hat, die Entscheidung für oder gegen eine weitere Zusammenarbeit von ihren Ersterfahrungen abhängig machen. „Aber das ist mit den Deutschen nicht anders. Es kann auch sein, dass sie insgesamt keine weiteren Praktikanten mehr haben möchten.“ Wenn Thüringer Unternehmen Geschäfte im Ausland haben, sind internationale Studenten oft sogar im Vorteil: „Weil sie mit einem Partner in China zusammenarbeiten, suchen Unternehmen auch gezielt Studenten aus China, die interkulturell vermitteln und kommunizieren können.” Darüber hinaus bringen ausländische Studenten oft viel Berufserfahrung aus ihre Heimatland mit  Weil sie aber glauben, dass die Erfahrungen möglicherweise nicht relevant sein könnten, schreiben sie sie nicht in ihren Lebenslauf .

Dasselbe gilt für außeruniversitäre Tätigkeiten. Denn der Studienabschluss sollte nicht das einzig Wichtige sein, wenn es um bessere Karrierechancen geht. Es ist auch entscheidend, Fähigkeiten zu erlernen, die nicht unbedingt mit dem Studium zusammenhängen. Jemand, der Romanistik studiert, kann zum Beispiel am Universitätsrechenzentrum seine IT-Fähigkeiten verbessern, die bei einer Bewerbung sicherlich auch nützlich sein können.  Aber nicht nur Kurse können solche Erfahrungen vermitteln: „Das kann auch was ganz anderes sein, wie ein soziales Engagement, wie ein Engagement in einer Hochschulgruppe“, so Verena Wilk, Projektmitarbeiterin im „Zertifikat Karriereplan“.

Das „Zertifikat Karriereplan” ist ein neues Projekt, das der Career and Welcome Point 2018 für Studenten der FSU eingeführt hat. Es bietet den Teilnehmern den Rahmen und motiviert sie dazu, schon während des Studiums ihre Kompetenzen zu verbessern, sich ehrenamtlich zu engagieren und aktiv mit ihrer beruflichen Zukunft auseinanderzusetzen. Dank dieses Projekts haben sie die Möglichkeit, sowohl nachweisbare vergangene Praktika und berufliche Erfahrungen auf einem Abschlusszertifikat anerkannt zu bekommen, als auch gezielt neue Erfahrungen zu sammeln.  Dafür müssen studienbegleitend vier Module belegt und spätestens im letzten Semester abgeschlossen werden.

Das erste Modul beinhaltet die Auseinandersetzung mit dem Berufseinstieg, durch den Besuch einer Firmenkontaktmesse und ähnlicher Veranstaltungen. Das zweite gilt der Reflektion interkultureller Kompetenzen – das kann die Teilnahme an einem Sprachkurs oder einem interkulturellen Training sein. Ich selbst habe im Rahmen des Programms letztes Jahr bei so einem Training mitgemacht. In dieser Zeit habe ich mit anderen Studenten aus aller Welt zusammengearbeitet, um die kulturellen Unterschiede besser kennenzulernen und zu verstehen. Das Dritte Modul konzentriert sich auf das Sammeln von Berufserfahrungen und hilft, ein Praktikum oder einen Job zu finden, der auf mögliche Berufsfelder nach dem Studium vorbereitet. Das vierte und letzte spiegelt durch Freiwilligenarbeit die gesellschaftliche Komponente wieder.  Letztes Semester verpflichtete mich das Programm als Mentorin von zwei ausländischen Studenten, aus der Türkei und Irland. Als ich damals neu in Jena war, hatte ich selbst einen Mentor, der mir bei allem geholfen hat – wenn man in ein fremdes Land kommt, braucht man Unterstützung, vor allem, wenn man der Sprache nicht vollständig mächtig ist.

Im März diesen Jahres erhielt eine 22-jährige Bachelor-Absolventin zum ersten Mal das Zertifikat, nachdem sie alle Module erfolgreich abgeschlossen hatte. Hoffentlich bin ich die Nächste.

 

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