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Flüchtlingshilfe: Was bringt 2016?

29 Januar 2016 No Comment

Das Jahr 2015 stellte Kommunen und Ehrenamtliche vor ganz neue Herausforderungen in der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen, auch in Jena. Was wird das neue Jahr bringen? unique hat sich umgehört.

Wir haben Initiativen und Einrichtungen der Flüchtlingsarbeit in Jena gefragt, welche Herausforderungen sie für 2016 erwarten, welche drängenden Probleme sie sehen, welche Hoffnungen sie haben. Ein Ausblick auf das noch junge Jahr in Schlaglichtern:

Wolfgang Volkmer, Geschäftsführung und Freiwilligenkoordination Kindersprachbrücke Jena e.V.:
„Mit unseren Angeboten sind wir nah an den Bedürfnissen der neu zugewanderten Kinder und Jugendlichen. Es besteht ein großer Bedarf an intensiven und professionellen Sprachförder- und Integrationsangeboten, die auch migrationssensibel sein müssen. Wir hören jedoch immer wieder von Lehrern und Erziehern, dass Eltern Flüchtlingen skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen. Diese Ängste müssen abgebaut werden. Denn im Zusammentreffen aller Menschen in Kitas und Schulen liegt eine große Chance, das vielfältige Miteinander zu lernen und zu gestalten.“

Pauline Lörzer, Flüchtlingsfreundeskreis-Jena West:
„In der Arbeit mit den Flüchtlingen sehen wir viele alltägliche Probleme und spüren die Ängste, aber auch viel Freude, Dankbarkeit und Integrationswillen. Wir versuchen konkret zu helfen und individuell zu fördern. Die Vernetzung der einzelnen Initiativen in Jena hilft dabei sehr. Wünschenswert sind übersichtliche Hilfestellungen über die behördlichen Vorgänge und die nötigen Anträge, vor allem um die Flüchtlinge nach der Anerkennung zu unterstützen und auch die Sozialarbeiter zu entlasten.“

Martin Diebel, „Fußball macht Freu(n)de“:
„Was bringt das Jahr 2016? Weiterhin bleiben Einsatz und Leidenschaft der Ehrenamtlichen gefragt, um den vor Krieg geflohenen Menschen ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Sport leistet hierzu einen wichtigen Beitrag: Er ist ideal, um erste kulturelle und sprachliche Hürden zu überwinden. Durch das gemeinsame Fußballspiel ist ein erster wichtiger Schritt zur Annäherung getan. Es gilt also, die Lage sportlich zu nehmen und künftige Herausforderungen anzunehmen – der Spaß kommt von allein.“

Günter Platzdasch, Flüchtlingsfreundeskreis Winzerla:
„Der Flüchtlingsfreundeskreis Winzerlaer gründete sich Frühjahr 2015 wegen des Plans für eine Flüchtlingsunterkunft 2016. Bereits nach den Sommerferien war er gefordert: In die Turnhalle Schrödingerstraße wurden Migranten einquartiert, und zwar dauerhaft – zu diesem Zweck erfolgten Umbauten. Wir engagieren uns mit Spenden, Essensversorgung und einem Sprachcafé. Aktuelle Herausforderung sind fehlende Kochmöglichkeiten. Nach Übergriffen auf Flüchtlinge steht auch die Abwehr von Straftaten integrationsunwilliger Mitbürger an.“

Asyl e.V. Jena:
„Im Asyl e.V. engagieren sich Ehrenamtliche für geflüchtete Menschen in Jena und Thüringen in Form von Sprachkursen, Kinder- und Hausaufgabenbetreuung, Rechtsberatung und Einzelfallhilfe. Wir freuen uns auf ein hoffentlich friedlicheres Neues Jahr und viele neue Begegnungen.“

Professor Dr. Jürgen Bolten, Initiative „IKS-Flüchtlingshilfe: Freiwilligen Helfern helfen“:
„Auf intercultural-campus.org können im Raum ‚IKS-Flüchtlingshilfe: Freiwilligen Helfern helfen’ u.a. Trainingsbausteine für interkulturelle Sensibilisierungstrainings zur freien Verwendung heruntergeladen werden; ebenso gibt es zahlreiche Links zu Themen der Flüchtlingshilfe sowie ein Video-Glossar zu Grundbegriffen der interkulturellen Kommunikation. Ein erstes interkulturelles Sensibilisierungstraining fand für freiwillige Helfer der Jenaer Bürgerstiftung bereits statt; weitere Trainings – jeweils im Umfang von vier Stunden – sollen in den kommenden Wochen und Monaten folgen. Ziel der Initiative ist es, den Trainingsmaterial-Pool im Laufe des Jahres mit dem Engagement bundesweiter Hochschulen auszubauen, so dass nach und nach ein wachsendes Angebot für entsprechende interkulturelle Trainings entsteht. Wir würden es begrüßen, wenn fortgeschrittene Studierende interkultureller Fachrichtungen sowie deren Dozenten mit den zur Verfügung stehenden Materialien an ihren Hochschulen ebenfalls kostenlos Trainings für Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe anbieten, die in interkultureller Hinsicht nach Unterstützung suchen.“

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Weitere Infos zur Flüchtlingsarbeit in Jena findet ihr unter welcome-in-jena.de sowie hilfe.jena.de.

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