Ir(r)e Zeit in Irland Auslandsemester mit Kind und Kegel
Was??? Du willst in Irland mit Kind studieren, ohne jemals Englisch gelernt zu haben??? Nach Limerick, da kann man doch kein Englisch lernen, bei dem Akzent und in diese hässliche Stadt? Bist Du verrückt geworden? Das kannst Du doch nicht verantworten! Das waren ungefähr die Kommentare zu meinem Projekt Auslandsstudium in Irland.
Gerade zurück von der grünen Insel, soll ich Euch von meinem einjährigen Studienaufenthalt in Limerick berichten. Natürlich hatte ich Angst vor diesem Experiment, aber schließlich müssen wir ja alle mit unseren Ängsten umgehen lernen, und es hat sich wirklich gelohnt.
Ich studierte am Mary Immaculate College (MIC) Limerick, welches zwei Studiengänge anbietet, den Bachelor of Education und den Bachelor of Arts. Im irischen Ausbildungssystem bedeutet das, dass durch diese Studiengänge eine Basisausbildung geschaffen wird, welche zum Weiterstudium in einem Masterstudiengang berechtigt. Wenn Du vom Studium genug hast, kannst Du mit diesem Abschluss als Grundschullehrerin arbeiten. Welche Möglichkeiten ein B.A. im Berufsleben hat, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. B.A. beinhaltet verschiedene Studienrichtungen, wie Medienwissenschaften, Kunst, Musik, Geschichte, Philosophie, Englisch, Deutsch u.a. Die Ausbildung unterscheidet sich von der unsrigen vor allem dadurch, dass für die Lehrerstudentinnen, auch für die Austauschstudentinnen, ein umfangreiches Angebot verschiedenster Praktika in Schulen – auch an Gymnasien – existiert und dass ein praktisches (Auslands)- Jahr Bestandteil des Studiums ist. Die gezielte Ausrichtung des Lehrsystems auf die Vermittlung eines Basiswissens, hat eine stärkere Verschulung der Ausbildung zur Folge, so dass es Seminare, wie ich sie von der FSU kenne, in meinem Studiengang (Philosophie) nicht gab. Vorlesungen dominierten. Wissen musste ten. Wissen musste in Regel durch das Erstellen mehrerer Essays und einer Abschlussklausur nachgewiesen werden. Internationals stellten uns, frei nach unserem Interesse, unsere Studienpläne Verschiedene Betreuerlnnen, Dozentlnnen, sowie eine wirklich pfiffige und engagierte Studentunion berieten und betreuten uns während der ganzen Zeit unseres Aufenthaltes gut. Freizeitaktivitäten konnten in verschiedenen societies wahrgenommen werden und ein gutes Sportangebot, am Sportkomplex der Universität, sorgte für den körperlichen Ausgleich. Parties und Reisen durch das ganze Land kamen selbstverständlich nicht zu kurz und haben sich in unser Gedächtnis geprägt. Eingangs genannter Vorurteile gesellte sich das des ständigen Regnens hinzu, aber das typisch irische Wetter blieb aus. Wir schafften es während unseres Aufenthaltes gerade vier Mal richtig nass zu werden. Sonnenschein mit einem Hut voll Wind vermischt dominierten die Wetterlage. Der Sommer kam direkt nach dem Frühling, was heißt, dass der Frühling Anfang Februar begann, mit Krokussen und Osterglocken in großen Flecken auf Wiesen und natürlich auch in den Gärten. Die Stare weckten uns auch im Winter jeden Morgen mit ihrem Pfeifen. Beeindruckend, neben der viel gepriesenen Landschaft, waren wirklich die Menschen. Wir wohnten nicht in einem Sharehouse, sondern waren auf private Wohnungen angewiesen, weil ich mit Kind in einem solchem oder im Wohnheim keinerlei Chancen hatte. So kam es, dass wir in dem Viertel Limericks eine Wohnung fanden, welches als sozialer Brennpunkt einen richtig schlechten Ruf genießt. Aber nachdem wir uns an die Äußerlichkeiten – wie an leer stehende Häuser mit vernagelten Eingängen und Fenstern und Anhäufungen von Müll in verschiedenen Ecken- gewöhnt hatten, gelang es uns auch, die Schönheiten und Widersprüche dieses Viertels zu erkennen. Die Bewohner nahmen uns nicht nur freundlich auf, sie sorgten sich um uns, Sie gaben uns Tipps, wo wir preisgünstig einkaufen könnten und wo und wann der Markt ist. Sie hatten unendlich viel Geduld mit meinen anfänglich armen Sprachkenntnissen und warteten bis sie mich verstanden. Sie übten praktische Nachbarschaftshilfe und mähten eben mal den Rasen, alle drei Wochen auf dreieinhalb cm Rasenhöhe.
Dank der schnellen Bearbeitung des BAFÖG Antrages, ich erhielt mein Geld dann Mitte April und hatte Gelegenheit, neben dem Studium Einblick in das gastronomische Gewerbe zu nehmen. Auch hier waren es die Mitarbeiter und die Gäste, die mich freundlich aufnahmen, geduldig meine Aussprache verbesserten und mit mir eine Talkrunde über die Wende und den Wandel im Osten Deutschlands hielten. Selbst auf der Straße wurde ich angesprochen. Du bist doch die, die im Restaurant arbeitet Meine Tochter machte ähnlich gute Erfahrungen in der Schule, so dass der Abschied uns richtig schwer gefallen ist. Die Lebensphilosophie der Iren, „1 ‘m really happy when the sun is shining, the birds are singing and the pubs are open“, spiegelt sich im irischen Alltag wieder. Lebenslust statt Lebensfrust zu leben, obwohl auch der „irische Tiger“ nicht mehr springt, ist das Motto dort. Hier, in Deutschland, scheint es eher umgekehrt zu sein und das macht das Ankommen nicht leicht.
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