Irgendwo in Afrika – Vergessene Kriege im Schatten Iraks
Seit dem Beginn der Irak-Krise zeigte sich ein ungewöhnlich starkes und berechtigtes Interesse der Öffentlichkeit, sowie weltweite Demonstrationen gegen einen möglichen Krieg im Irak. Diese neue “Weltsolidarität” gegen den Krieg wird begrüßt. Die Befürwortung der Demonstrationen will nicht die Frage nach der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit des Krieges beantworten, sondern den Mut zum Handeln gegen den Krieg würdigen.
Es ist selten, dass es solche umfassenden Aktivitäten gegeben hat. Wer die Kriege in anderen Teilen der Erde kennt, muss sich fragen, warum Millionen von Menschen im Fall von Irak auf die Straßen in New York, London, Paris, Berlin, Kairo, Johannesburg und Khartoum usw. gehen, aber nicht gegen Kriege und Konflikte in Sierra Leone, Ruanda oder im Südsudan, wo täglich Hunderte von Zivilisten, Kindern und Frauen von Regierungssoldaten und unkontrollierten Warlords und Milizien umgebracht werden. Die Frage, wie die Weltgemeinschaft mit Diktatoren umgehen soll, die die eigene Bevölkerung unterdrücken und internationale Vereinbarungen verletzen, soll sich nicht auf Saddam Hussein beschränken. Hier ist das Engagement der Weltgemeinschaft, Regierungen und Zivilgesellschaft gefragt. Die Demonstrationen während des Irak-Kriegs haben gezeigt, dass die Zivilgesellschaft und die Politik gemeinsam mehr bewegen können.
Hat das Engagement der Menschen damit zu tun, dass der Irak im Vergleich zu den anderen genannten Ländern ein reiches Land ist oder dass der Krieg im Irak unter der amerikanischen Leitung geführt wurde?
Leider konnten die Massen-Demonstrationen nicht den Krieg im Irak verhindern. Dennoch haben die Demonstrationen ihre Wirkungen hinterlassen und wichtige Signale ausgesandt, nämlich dass Krieg nicht die bessere Lösung ist, da immer unschuldige Zivilisten leiden müssen und getötet werden.
Die Demonstrationen zeigen die Wichtigkeit der Solidarität unter den Völkern der internationalen Gemeinschaft und die Notwendigkeit, Probleme mit friedlichen Mitteln zu lösen. Die Frage ist, wie die sichtbare Solidarität im Fall des Irak-Krieges auf andere Konflikte übertragen werden kann, zum Beispiel auf den seit zwanzig Jahren andauernden Krieg im Südsudan.
Alles in allen war der Irak-Krieg eine große Herausforderung für die internationale Gemeinschaft einschließlich des afrikanischen Kontinents. Die weltweiten Demonstrationen gegen einen Krieg gaben vielen Menschen, vor allem in dem von Kriegen zerrissenen Afrika, neue Hoffnung.
Zahlreiche Menschen des afrikanischen Kontinents interessierten sich für eine friedliche Lösung der Irak-Krise, weil unschuldige Zivilisten im Krieg ihr Leben verlieren werden und weil Afrika eine weitere wirtschaftliche und politische Krise befürchtet. Wie der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Erzbischof Desmond Tutu formulierte: “Mittel, die man für die Armutsbekämpfung, die Bildung und die Gesundheitsvorsorge dringend braucht, werden in Destruktion und massenhaften Tod investiert.”. Außerdem befürchtet man, dass aufgrund des Irak-Krieges andere wichtige Konflikte und Krisen auf der Erde in Vergessenheit geraten.
Mittlerweile hat der Krieg im Irak begonnen und die irakische Hauptstadt Bagdad ist seit dem 9. April 2003 gefallen. Die Amerikaner sorgen für Ordnung und Sicherheit im Lande und nicht Präsident Sadam Hussein. Es geht nun um den Wiederaufbau der politischen und gesellschaftlichen Ordnung. Ob sich Befürchtungen für Auswirkungen des Irak-Krieges auf Afrika bestätigen werden, wird sich in den kommenden Monaten und Jahren zeigen. Wir können nur auf eine bessere Welt hoffen und an ihrer Gestaltung mitwirken!’
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