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Übersetzung: In Chile essen sie Meerschweinchen!

25 Oktober 2010 No Comment

…und die Deutschen sind alle verbissene Rassisten. Ein Theaterprojekt von chilenischen und deutschen Schülern, das nicht nur diese Vorurteile behandelte, wagte einen 12.2000 km langen Brückenschlag, Der 17-jährige Lucas aus Valparaíso, Chile verließ im Rahmen des Projekts zum ersten Mal in seinem Leben sein Heimatland und zieht nun Bilanz.

von Lucas Mix, aus dem Spanischen von paqui

Viva - bearbeitet

Schon immer habe ich davon geträumt eines Tages ins Ausland zu reisen: davon andere Kulturen und andere Orte kennen zu lernen, mich in neue Städte zu verlieben und mit deren Bewohnern das Leben zu teilen. Der Austausch “Juntos construyendo un puente” gab mir diese und viele weitere Möglichkeiten.
Es begann so, wie alle großen Dinge beginnen: mit einem Traum. Irgendwie war alles so irreal – bis das Flugzeug tatsächlich abhob … es war einfach zu gut um wahr zu sein. Aber es war Wirklichkeit; das Projekt, unsere Träume, unsere Arbeit und das Ergebnis waren Wirklichkeit. Meine Erwartungen waren hoch – und wurden doch noch übertroffen.
Vor allem möchte ich sagen, dass das Wichtigste am Austausch für mich die Menschen waren, die ich kennen gelernt habe. Ich habe mich Tausende Kilometer weit weg von Chile zu Hause gefühlt, was ich Florian, meinem Bruder in Jena , und seiner Familie verdanke. Alle die am Projekt beteiligt waren, haben einen festen und besonderen Platz in meinen Erinnerungen und meinem Herzen. Das ist wohl auch das, was am Weitesten reicht, denn es berührt unsere Emotionen, berührt uns als Menschen…
Es war für mich sehr wichtig in Buchenwald gewesen zu sein. Diese Erfahrunghat uns tief berührt und uns die unglaublichen und schrecklichen Grenzen des Menschseins vor Augen geführt. Es ist interessant darüber nachzudenken, welche Rolle wir heutzutage übernehmen müssen, um zu verhindern, dass sich solch schreckliche Ereignisse wiederholen. stück -bearb
Während des Projekts erschien es mir unglaublich, dass wir uns trotz verschiedener Sprachen durch das Theater so intensiv miteinander austauschen konnten. Diktatur und Demokratie – die zentralen Themen des Projekts – wurde so von Menschen besprochen und betrachtet, die in zwei unterschiedlichen Ländern leben und die das Schicksal teilen, zwei schreckliche Diktaturen erlebt zu haben. Dabei erkannten wir die enorme Bedeutung der Demokratie für die grundlegende Lebensweise der Menschen und dafür wie wir unsere Ziele verfolgen und erreichen. Was können wir machen, um unseren Raum für Demokratie zu bewahren und Diktaturen zu vertreiben? Das Theaterprojekt war ein Weg, um diesen Raum zu bewahren, da es uns viele Möglichkeiten gab, um zu erfahren, was Demokratie bedeutet. Letztlich ist mir so auch aufgefallen, dass die Demokratie ebenfalls eine Bürde mit sich bringt: um die Meinungen aller in das Theaterprojekt einzubeziehen, bedarf es viel Arbeit. Allerdings entwickelte sich auf diese Weise auch ein gegenseitiger Respekt und das ist das, was zählt.

Gleichzeitig wurde uns deutlich, dass es noch viel Raum für Verbesserungen bleibt (eben weil wir auch selbst so wenig tolerant sind). In diesem Sinne war es ein erster Schritt nach vorn, dass wir uns mit den Vorurteilen die zwischen Chilenen und Deutschen bestehen, auseinander gesetzt haben. Auch wenn es noch viel zu tun gibt, erwarten wir unsere Freunde nächstes Jahr mit offenen Armen in Valparaíso, um auf dem bereits eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und uns im nächsten Jahr mit dem Thema „Akzeptanz von Minderheiten, die unter uns leben“ zu beschäftigen. Und natürlich um wieder Zeit mit unseren geliebten neuen Freunden aus Jena zu verbringen und sie besser kennen zu lernen. Wir vermissen euch sehr.

lucas - web

„Juntos construyendo un puente“ ist ein
Projekt zur chilenisch-deutschen Jugendbegegnung
von Julia Jähnert und Marie
Günther in Kooperation mit dem Eine-
Welt-Haus Jena. Lucas (17) aus Valparaíso
arbeitet als Freiwilliger in der chilenischen
Partnerorganisation des Projekts
„Taller de Acción comunitaria“ (TAC).

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Das Projekt “Juntos construyendo un puente” wurde gefördert von:

- Stadt Jena
- eed (Evangelischer Entwicklungsdienst)
- Stiftung Nord-Süd-Brücken
- Stadtwerke Jena
- Jugend hilft!
- Deutsches Kinderhilfswerk
- Rotary Club Apolda-Weimarer Land
- Studentenrat der Universität Jena
- MEWA
- Studentenrat der Universität Jena

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