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Fünf Fragen an … Guido Westerwelle

13 Januar 2010 7 Comments

Eine FDP-Wahlkampf- veranstaltung ist wahrlich kein Zuckerschlecken, wenn die Hauptreden von Ich-war-schon-immer-eine-unbeliebte-Streberleiche-Guido-Westerwelle und außer-meinem-smarten-Gesichtsausdruck-habe-ich-nicht-viel-zu-bieten-Uwe-Barth gehalten werden bzw. ausschließlich inhaltsleeres Wahlkampfgeschwätz über das sich im Glanz der Parteiprominenz sonnende Mittelstandsauditorium wabert. Richtig gruselig wird es, wenn der unmittelbar neben einem stehende UNIQUE-Redakteur plötzlich in den Szenenapplaus einstimmt und ein weiterer nach der letzten Rede mit anderen JuLi-Polohemdträgern das Podium erklimmt, um dort selig lächelnd ein gelbes Pappschild mit der Aufschrift „Für Ihre Zukunft in Thüringen“ hochzuhalten. Aber im Überschwang der Gefühle kann das schon mal passieren …


von Luth


Guido Westerwelle


Uwe Barth


Hermann Otto Solms


Amerikanischer Show-Wahlkampf – aber betont ernst!

So ließen wir uns letztlich doch nicht einlullen und hielten am 27. August 2009 tapfer zwei Stunden im stickigen Volksbad durch, um nach Frank-Walter Steinmeier auch Guido Westerwelle zur Rede zu stellen. Der war zwar damals noch nicht der stolzeste und bedeutendste Außenminister des Erdballs, wollte sich mit unseren lästigen Fragen aber trotzdem nicht an Ort und Stelle auseinandersetzen. Immerhin konnten wir ihm eine Interviewzusage abtrotzen, die er beim Hinauseilen zum Dienstwagen noch mehrmals mit „Auf jeden Fall! Schicken Sie mir die Fragen!“ bestätigte. Er meinte das genau so, wie er es immer meint, wenn er so etwas sagt, das war uns schon klar. Trotzdem erhielt sein Berliner Pressereferent wenig später eine E-Mail folgenden Inhalts:

1. Herr Westerwelle, Sie wuchsen als Sohn zweier Rechtsanwälte in Bad Honnef auf, der Stadt mit der höchsten Kaufkraft in NRW – u.a. hatte dort auch Altbundeskanzler Konrad Adenauer jahrelang seinen Wohnsitz. Man könnte behaupten, Ihr Weg in die FDP, die oft die „Partei der Besserverdienenden“ genannt wird, war angesichts dieser Sozialisation von Geburt an vorgezeichnet. Oder gab es in Ihrem Leben auch Phasen, in der Sie politisch ganz woanders hätten landen können? Wenn ja, wo?

2. Im Gegensatz zu früheren Jahren wird der diesjährige Landtagswahlkampf und auch der Bundestagswahlkampf mit fast schon verbissener Ernsthaftigkeit geführt. Selbst die FDP macht da keine Ausnahme mehr und gibt sich in der Krise staatstragend. Was ist aber aus dem guten alten „Spaßwahlkampf“ geworden, der sogar für Wahlmuffel einigermaßen unterhaltsam war? Für Sie wirklich kein Thema mehr?

3. Ganz ehrlich: Wenn Sie frühmorgens vorm Spiegel stehen … in was bzw. wen sind Sie dann mehr verliebt? In die bundesdeutsche Außenpolitik oder in Ihr eigenes Äußeres? Anders gefragt: Wie eitel sind Sie?

4. Die FDP propagiert den Neoliberalismus, das freie Spiel der marktwirtschaftlichen Kräfte, und setzt sich ausdrücklich für Studiengebühren ein. Viele Studenten, die wir kennen, sind jedoch trotz teilweise mehrerer Nebenjobs chronisch mittellos und wollen sich auch im Berufsleben nicht auf einem deregulierten Arbeitsmarkt verheizen lassen. Die FDP ist für sie daher alles andere als attraktiv, ja geradezu „unsexy“. Warum sollten sie trotzdem ihre Partei wählen?

5. Ihr ehemaliger Parteikollege Jürgen W. Möllemann war für antisemitische Äußerungen und seine exzellenten Kontakte in den Nahen Osten bekannt, u.a. auch zu arabischen Waffenschiebern. Gesetzt den Fall, Sie würden Außenminister einer Koalition aus CDU und FDP – über welche Kanäle und mit welchen Mitteln würden Sie an einer Lösung des Nahostkonflikts arbeiten?

Und die Zusatzfrage. Im Jahre 2007 nahmen Sie an der Bilderberg-Konferenz* in Istanbul teil. Worüber haben Sie da mit wem gesprochen?

Gut drei Wochen vor der Bundestagswahl, am 2. Oktober 2009, erklärte uns Herr Sisani schließlich den Unterschied zwischen einer Interviewzusage und einem „eventuellen Interview“:

„Sehr geehrter Herr Thormann,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Es tut mir sehr leid, aber aufgrund der terminlichen Lage der kommenden Wochen im Vorfeld und während der Koalitionsverhandlungen müssen wir Ihnen leider für ein eventuelles Interview absagen.

Ich hoffe auf Ihr Verständnis und verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Adib A. Sisani (Pressereferent)“

Wir danken Herr Sisani für die Aufklärung und freuen uns, dass Guido Westerwelle inzwischen wirklich etwas zu sagen hat (wenn auch nur auf Deutsch).

Und demnächst: Arnold Schwarzenegger im (Nicht-)Interview!

Für einen (nicht nur farblichen) Akzent im ansonsten gelb-blau ausstaffierten Veranstaltungssaal sorgte die Greenpeace-Gruppe Jena, als sie …


… auf einem Transparent daran erinnerte, wofür die FDP sonst noch so steht. Guido Westerwelle war das in seiner Rede immerhin einen Seitenhieb auf die Energiepolitik anderer Parteien wert.

_____________________________________________________________________________________

* Die Bilderberg-Konferenzen sind informelle private Treffen von einflussreichen Personen aus Wirtschaft, Militär, Politik, Medien, Gewerkschaften, Hochschulen und Adel. Die meisten Teilnehmer kommen aus NATO-Staaten, seit 1989 nehmen zunehmend Personen aus anderen Staaten an den Konferenzen teil. Die Tagesordnungspunkte (etwa als TOP-Liste) sowie die Teilnehmerlisten werden nach einem Treffen den internationalen Presseagenturen zugänglich gemacht, jedoch nicht oder nur fragmentarisch öffentlich gemacht. Eventuelle Einigungen werden nicht veröffentlicht. Rund um die Bilderberg-Konferenzen ranken sich daher zahlreiche Verschwörungstheorien. (Quelle: Wikipedia)

Bilder: Austen Spanka und Jura Hölzel

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Bisher 7 Meinungen zum Thema: Fünf Fragen an … Guido Westerwelle

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  • thomas meint:

    ist das jetzt interkulturell im sinne dass ihr leute präsentiert, die denken man muss im “eigenen” land wohl doch noch den anspruch erheben dürfen in der “eigenen” sprache angesprochen zu werden? also die “eigene” kultur hervorheben und die “anderen kulturen” dann im “eigenen kulturkreis” akzeptieren?

  • nixversteher meint:

    @thomas: Häh?

  • thomas meint:

    kannst du deine frage vielleicht etwas ausführen?

  • nixversteher meint:

    Na sagen wir mal so … ich verstehe nicht im Geringsten, was Du der Welt mit diesem Statement sagen möchtest und v.a. was das mit dem Artikel zu tun hat. Diese geballte Unverständnis fasste ich in dem Wort “Häh” zusammen …

  • Unique-Leser meint:

    Die letzten vier Kommentare sind doch wohl Kindergarten!
    Wenn man intelektuell nicht in der Lage ist Artikel zu durchdringen, dann ist es besser einfach mal still zu sein.

  • Mumpitz meint:

    Euer “Journalismus” besteht eigentlich nur aus euren eigenen Meinungen zusammen mit einem Informationsgehalt von…eigentlich…nix und ist nur noch eine sehr dankbare Übungsaufgabe für angehende Lektoren…

  • thomas meint:

    unique hat den anspruch auf sogenannte “interkulturalität”

    guido westerwelle hat den anspruch in s e i n e m land, deutschland, mit der deutschen sprache angesprochen zu werden. als außenminister… das hat schon was…
    zur erinnerung: http://www.youtube.com/watch?v=laUJzGMUEI4&feature=fvst

    übrigens: war das kein statement. ich dachte die bedeutung von fragezeichen sei hinlänglich bekannt.

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