Home » LebensArt

Film: “Wall-E“

30 Oktober 2008 No Comment

Regie: Andrew Stanton, USA 2008, Disney/Pixar, 98 Minuten

von Lutz

Das Animationsstudio Pixar scheint in Hollywood derzeit die einzige zuverlässige Adresse zu sein, welche unentwegt originelle und latent anspruchsvolle Unterhaltung für die ganze Familie abliefert. Dabei stieg stets das Abstraktionsniveau, mit dem den unterschiedlichen digital animierten Figuren oder Charakteren Leben eingehaucht wurde. Schien es vergleichsweise recht simpel, einem Clownfisch im großartigen „Findet Nemo“ menschliche Mimik aufzudrücken und den Zuschauer an seinen Emotionen teilhaben zu lassen und zu berühren, war das in „Cars“, als sprechende Autos die Hauptakteure darstellten, schon schwieriger. In „Wall-E“ gelang den Pixar-Mitarbeitern um Regisseur Andrew Stanton – mal wieder, möchte man meinen – ein Geniestreich, indem man den Zuschauer für die Gefühlswelt zweier ineinander verliebte Roboter sensibilisiert.

Der in seiner Freizeit Musicals auf Video schauende, einsame Müllzerkleinerungsroboter Wall-E, der auf der mit Müll übersäten und unwirtlichen Erde der Zukunft seinen Dienst tut, macht eines Tages Bekanntschaft mit der Erkundungssonde EVE, in die er sich sofort verliebt. Als EVE ihre Mission beendet, ein Anzeichen von funktionierender Photosynthese entdeckt hat und auf das gigantische Raumschiff der noch existierenden, aber verfetteten Menschheit zurückkehrt, steigt ihr Wall-E nach und die beiden versuchen, den Captain des monströsen Raumschiffs (gesprochen vom Comedian Markus Maria Profitlich) zur Rückkehr auf die Erde zwecks Neubesiedelung zu bewegen. Ein Unterfangen, welches sich aufgrund der widerstrebenden, vollautomatisierten Technik und der behäbigen Menschen als sehr schwierig herausstellt.

Die Bilder dieses Animationsfilms um die zerstörte Erde sind so eindrucksvoll wie verstörend und dass die beiden Hauptfiguren – die zwei Roboter – beinahe die gesamte Filmlaufzeit nur mit kurzen Pieps-Lauten und rudimentären Sprachfetzen kommunizieren, ist ebenso gewagt wie letztendlich durch die Bedeutung, welche dadurch vermittelt wird, gelungen. Wenn Wall-E und EVE ähnlich einem Tanz durchs All fliegen oder Wall-E im Sonnenuntergang nach der Hand seiner ausgeschalteten Liebsten greift, sind das gar magische Kinomomente, die sich durchaus mit den Lovestorys der Kollegen aus Fleisch und Blut messen lassen können und die man nicht so schnell vergessen wird. Der Filmfreund wird gar hin und wieder Referenzen an Klassiker des Science-Fiction-Films wie „2001 – Odyssee im Weltraum“ erkennen. Und all diese Punkte zusammen machen „Wall-E“ trotz seines extremen Overkills auf der Geräuschebene, die dem Gehör keine Pause gönnt, zu einem durchweg witzigen, tricktechnisch perfekten Meisterwerk, das man sich auch als Volljähriger mal anschauen sollte.

Ach ja: Einen 5-minütigen, äußerst witzigen und in Sachen Humor und Tricktechnik in nichts nachstehenden Vorfilm um den Streit zwischen einem Kaninchen und einen Zauberer namens „Presto“ gibt es auch noch gratis dazu. Das sollte dann an Argumenten für den Kinobesuch aber wirklich ausreichen.

Ähnliche Artikel die Dich noch interessieren könnten:

  1. Film: “The Warlords” Regie: Peter Chan, China/Hongkong 2007, KSM Films, ca. 110 Minuten Ab 08.01.09 im Cinestar Jena von Lutz G. Nachdem er schon 2002 in „Hero” in der Verfilmung eines Stücks chinesischer Geschichte zu sehen war, knüpft Jet Li, der u. a....
  2. Film: “Der Typ vom Grab nebenan” Schweden, 2002, Regie: Kjell Sundvall,3L Filmverleih, Dauer: 90 min. Von Frank Was vielleicht erst einmal nach trashiger Zombiekomödie klingt, kann durchaus als eine Art schwedische Antwort auf “Schlaflos in Seattle” betrachtet werden. Nur hätte Tom Hanks in der Hauptrolle des...
  3. Film: Hotel Very Welcome von Luth Die Menschen, die man heute allgemein als Backpacker bezeichnet, haben das Unterwegssein zum Lebensinhalt erklärt. Ihre unverbindliche Heimatlosigkeit gilt weithin als hipp und schick. Schon immer waren Reisen aber auch eine Flucht vor und eine Suche nach sich...
  4. Film: “I‘m a Cyborg But That‘s Ok” Regie: Park Chan-Wook, Südkorea 2006, Rapid Eye Movies, 107 Min. Von Jura Der südkoreanische Ausnahme-Regisseur Park Chan-Wook ist bereits eine Institution in der Filmwelt. Und doch war sein Thema in seinen letzten Filmen eher beschränkt auf die Vendetta, die er...
  5. Film: “Die 120 Tage von Sodom“ – Regie: Pier Paolo Pasolini, Italien/Frankreich 1975, DVD-Label: Legend Films von Lutz 1975 nahm sich Italiens Skandal-Regisseur Pier Paolo Pasolini der Verfilmung von “Die 120 Tage von Sodom” vom Marquis De Sade an und verlagerte das grauenhafte Szenario um Verstümmelung, sexuelle Perversionen und Repression ins faschistische Italien des Jahres 1944,...

Deine Meinung zählt!

Deine Meinung gilt, oder trackbacke von deiner eigenen Webeseite. Du kannst ebenfalls den Kommentaren (Kommentar Feed) via RSS folgen.

Seih nett und spamme nicht!

Du kannst folgende Tags nutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>