Exklusiv: “Mackste du kaputt deine Würde!”

Die exklusive Unique-Vorab-Filmrezension zu “Maria, ihm schmeckt’s nicht” (Filmstart am 6. August 2009):
Christian Ulmen entdeckt den Deutschen in sich! Diesmal nicht als Beck’s-trinkender Berliner Lebenskünstler, sondern als bürgerlicher Durchschnittsdeutscher Jan aus Krefeld, der sich in die bildhübsche Halbitalienerin Sara (Mina Tander) verliebt.
von Frank
Schnell steht Heirat auf dem Plan und damit auch das unausweichliche Zusammentreffen mit den Eltern der Angebeteten – inklusive der väterlichen, italienischen Hälfte Antonio (Lino Banfi). Der legt kurzerhand fest, dass die Hochzeit in Italien stattzufinden hat.
Was für Jan zunächst nach lästiger schwiegerväterlicher Einmischung klingt, entpuppt sich bald als (inter)kulturelle Überforderung, als er mit Saras süditalienischer Großfamilie und der dazu passenden Lebensart konfrontiert wird. Schnell vermisst man good old Krefeld mit seiner deutschen Pünktlichkeit und Gründlichkeit und Jan wird klar, dass sich “Bella italia” nicht in toskanischem Olivenöl und Vespa-Rollern erschöpft. Ganz ohne südländische (und deutsche!) Stereotype kommt der Film allerdings nicht aus. Ohne die wäre der Zuschauer wohl auch bald verloren zwischen der hektischen Stimmung des Films und der rasanten Untertitelung italienischer Ereiferungen: spätestens als Sara plötzlich die italienische Hälfte in sich wiederentdeckt, versteht Jan kaum noch ein Wort und die Welt um sich herum nicht mehr. Er kämpft dennoch tapfer mit sich und seinem Langenscheidt-Reisewörterbuch, wobei ihm die Ankunft seiner “italophilen” Mutter (Gundi Ellert) und seines zurückhaltend-analytischen Vaters (Peter Prager) wenig gelegen kommt.
In all der Hektik um Hochzeitsvorbereitungen und kulturelle Missverständnisse blitzt immer wieder die Vergangenheit von Saras Vater Antonio durch, der sich seiner ersten schweren Schritte in Deutschland erinnert. Dabei greift der Film nach dem gleichnamigen Roman von Jan Weiler (Ullstein-Verlag) auch die Gastarbeiter-Problematik auf (”Sie sind hier als Gast und um zu arbeiten!”), ohne allerdings den mahnenden Zeigefinger zu bemühen. So stellt Jan zu seinem Erstaunen fest, dass er mit seinem Schwiegervater in spe doch mehr gemeinsam hat, als er glaubt: der Spagat zwischen Integration und Akkulturation verleiht dem Film einen roten Faden.
Ulmen spielt den bemühten, aber überforderten deutschen Bräutigam teils bemitleidenswert, teils bissig komisch, aber immer glaubwürdig. Man leidet als Zuschauer geradezu mit ihm und findet sich vielleicht unerwartet selbst ein bisschen in Jans Problemen wieder. Mina Tander wirkt als Sara allerdings zuweilen eher wie eine Frau mit Hormonschwankungen denn wie jemand, der zwischen zwei Kulturen steht.
Dennoch: “Maria, ihm schmeckt’s nicht” ist eine sommerliche Liebesgeschichte ohne zu viel Kitsch, wie sie das Leben schreiben kann. Für alle, die mal wieder merken wollen, dass man bei allen interkulturellen Bemühungen eben doch nicht aus seiner Haut kann – welcher Prägung diese auch sei. Für alle anderen, vor allem Fans von Christian Ulmen, immerhin ein netter Zeitvertreib im Sommerloch
Zum Reinschauen und Weiterlesen: www.maria.film.de
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