Einmal Lobeda und zurück – Die Situation ausländischer Studierender in den Wohnheimen
Einmal ins Ausland gehen und eine andere Kultur erleben bzw. in ihr leben. So oder ähnlich mögen die Motive der derzeit ca. 820 Gaststudierender gewesen sein, um nach Jena zu kommen. Doch wie ist die Situation für die ausländischen Studierenden in den Jenaer Wohnheimen und kann man dort von tat sächlicher Integration sprechen?\r
“Wir sind darum bemüht, ein Verhältnis von einem Drittel ausländischer Studierender zu zwei Dritteln deutscher in den einzelnen Wohnungen zu garantieren“, so Siegfried Kinzel, Leiter der Abteilung Studentisches Wohnen im Studentenwerk. “Die Idee ist, in jeder der Wohngemeinschaften einen Gaststudenten mit den deutschen Studenten zusammen wohnen zu lassen. Dadurch wird die Integration von vornher ein erleichtert.“ Gegen den Vorwurf, ob Gaststudierende hauptsächlich in die Wohnanlagen – nach Lobeda “abgeschoben“ werden, wehrt sich Herr Kinzel entschieden. “In der Schlegelstraße wohnen 500 deutsche Studenten und 102 ausländische. In der Griesbachstraße 7 gibt es von 113 Studenten 21 Gaststudenten. Das sind in absoluten Zahlen gesprochen zwar mehr, das Verhältnis ist ähnlich.“ Das mag richtig sein. Das tat sächliche Problem ist aber dass sich die größten Wohnanlagen des Studentenwerks so weit außerhalb befinden.\r
Sorana Parvulescu und Soig Malfroy sind zwei der ausländischen Gast- studierenden. Als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung studiert Sorana, die aus Rumänien stammt, hier Politikwissenschaft. Soig, ein quirliger Franzose, studiert Geschichte und Politik. Er ist nach Jena ge kommen, um den Osten der Republik kennen zu lernen.\r
Im Gegensatz zu Soig, der sich mit zwei deutschen Kommilitonen eine Wohnung in der Karl-Marx-Allee 1 teilt, wohnt Sorana allein in einem Apartment in der Schlegelstraße 4. Dabei handelt es sich um ein Doppelzimmer, das jetzt einzeln vermietet wird. Glücklich ist sie darüber nicht. Zumal sie die Wohnung zugeteilt bekam und dafür nun stolze 200 Euro zahlen muss. “Ich wollte eigentlich einen Mietvertrag für 6 Monate“, so Sorana, “musste aber einen einjährigen Vertrag unterschreiben. Außer dem wollte ich die Wohnung tauschen, da diese zum Großteil unsaniert ist. Das war aber nicht möglich.“\r
Aus ihrer Wohnanlage kennt Sorana niemanden und fühlt sich auch sonst in der für sie zu großen Wohnung nicht wohl.\r
Für Probleme wie diese hat das Studentenwerk seit 2001 ein Wohnheimmentoren-Programm initiiert. Wohnheimmentoren sind Studierende, die ebenfalls in den Wohnanlagen des Studentenwerks wohnen. Sie übernehmen die Betreuung der Gast- studierenden innerhalb der Wohnheime. Julia Zeng engagiert sich erst seit Oktober in diesem Programm. Sie betreut die Studierenden der Stauffenbergstraße 2 und 2a. Da Qi, eine chinesische Vollzeitstudentin, ist schon länger dabei. Sie hilft den Gast- studierenden der Emil-Wölk-Straße 7 und 9. Auf die Frage nach ihrem Aufgabenbereich nennen die beiden vor allem die Hilfestellung bei Problemen und Fragen. Aber auch für die Einweisung der Studierenden im Wohnheim, für die Organisation von Veranstaltungen innerhalb der Wohnanlage oder Exkursionen in andere Städte sind sie verantwortlich. Dabei arbeiten die einzelnen Mentoren eng zusammen. Die Resonanz auf einzelne Veranstaltungen ist unterschiedlich. So erzählt Ju‘ ha, dass zu einem von ihr organisier ten Wohnheimtreffen nur 7 von ins gesamt 25 Gaststudierenden gekommen sind. Eine Party im Studentenclub “Schmiede“ im November hin gegen war sehr erfolgreich.\r
Sorana hört von den Wohnheimmentoren in unserem Gespräch zum ersten Mal. Sie findet es schade, ihren Mentor noch nicht kennen gelernt zu haben. Soig kennt seine Mentorin, hat an Ausflügen oder Ähnlichem je doch noch nie teilgenommen. Nicht, weil er nicht wollte, wie er sagt, sondern weil er schon viel zu tun hat.\r
Den geringen Zuspruch zu ihrer Arbeit führen Da und Julia auf fehlende Kenntnis des Projekts und auf die Unsicherheit der Studierenden zu rück. Zudem ist das bereits vorhandene Angebot für ausländische Studierende sehr umfassend. So gibt es ihrer Meinung nach oft Überschneidungen zwischen den geplanten Veranstaltungen der Wohnheimmentoren und denen der anderen international orientierten Hochschulgruppen. Diesen Sachverhalt spricht auch Siegfried Kinzel an. Er sieht die Grüppchenbildung als ein großes Problem an und beklagt die mangelnde Netzwerkbildung zwischen den einzelnen Gruppen und dem Mentorenprogramm. “Eine stärkere Integration der Wohnheimmentoren in die universitären Strukturen wäre daher notwendig“, so der Leiter des Bereichs studentisches Wohnen. Julia und Da könnten sich vorstellen, als Gruppe in den Int.Ro aufgenommen zu wer den. “Das würde die Zusammenarbeit mit den anderen studentischen Gruppen verbessern, und eine Koordination der Aktivitäten könnte effektiver erfolgen“, meinen die beiden Mentoren.\r
Abgesehen von all den Problemen ist die Uni sehr bemüht, ausländische Gaststudierende zu integrieren. Das Angebot für die Studierende ist groß und vielfältig, was Sorana und Soig in unserem Gespräch immer wieder betonen. Vielleicht sollte man sich von der Vorstellung verabschieden, jeden integrieren zu müssen. Denn auch das wird nicht immer und von jedem gewollt.’, ‘Artikel’, 1, ’20031007135750′, ‘Soig und Sorana’, ‘UNIQUE’, ”, ”, ’1′, ‘deutsch’, ”, ”, 0),
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