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Gastkommentar: Die Toleranz des Islam gegenüber d. Volk d. Bücher

8 Januar 2010 7 Comments

iranjew

Im Jahre 70 n. Chr. wurde das jüdische Volk von den Römern aus Palästina vertrieben. Die folgenden 1900 Jahre verbrachten die Juden im Exil. In dieser Zeit waren sie in den meisten christlichen Ländern einer grausamen Unterdrückung ausgesetzt. Sie wurden vielfach erneut vertrieben oder massenhaft ermordet. Die friedlichste und sicherste Umgebung fanden sie während dieser Periode in den islamischen Ländern.

von Ender Cetin

Im Islam wurde  Juden und Christen wurde immer erlaubt, ihrem eigenen Glauben und selbst ihren eigenen Gesetzen zu gehorchen, ohne dass Repressalien die Folge gewesen wären. Das System, in dem die Religionen frei nach ihrer Façon selig werden konnten, nannte man das Millet-System: Freiheit für alle Religionsgemeischaften. Sie mussten zwar eine bestimmte Steuer zahlen und durften nicht im Militär tätig werden, das aber war vielen Juden lieber, als in Europa unterdrückt und verfolgt zu werden. So wanderten z.B. die spanischen Juden im 15. Jahrhundert ins Osmanische Reich aus.

Vorher hatten Muslime, Juden und Christen in Spanien-Andalusien unter islamischer Herrschaft friedlich zusammengelebt. Es war eine Blütezeit für Wissenschaften, Kunst und Kultur. Viele Juden wanderten auch zur Zeit des Zweiten Weltkriegs aus, u.a. in die Türkei, die ihnen Asyl gewährte. So konnten sie sich in einer eigentlich fremden Gesellschaft entfalten.

Der Hauptgrund für diese Atmosphäre der Toleranz und Sicherheit liegt in der Moral des Qur’ans. Im Qur’an werden Juden und Christen als das „Völker des Buches“ bezeichnet. Muslimen wird geraten, freundliche Beziehungen zum Volk des Buches zu pflegen. Der Qur’an erlaubt muslimischen Männern, Frauen aus dem Volk des Buches zu heiraten. (Sure 5:5 -al-Ma’ida) Dies zeigt, dass verwandtschaftliche Beziehungen durch Verheiratung mit Muslimen und den Menschen aus dem Volk des Buches möglich sind, und dass man sich gegenseitig bei Gastmahlen beteiligen kann. Dies ist eine fundamentale Voraussetzung für ein gegenseitig akzeptiertes Zusammenleben in derselben sozialen Gemeinschaft.

Konsequenterweise sind Muslime für gutnachbarschaftliche Beziehungen mit Juden und Christen verantwortlich, wenn sie in derselben sozialen Gemeinschaft leben. In einem Land, in dem Muslime in der Mehrheit sind, ist das Volk des Buches den Muslimen anvertraut. Dafür zu sorgen, dass Mitglieder des Volks des Buches in Frieden und Sicherheit leben können und sie gegen jede Art von Gefahr zu verteidigen, ist eine religiöse Pflicht der Muslime. Es wird zum offenen Dialog mit den Juden und Christen aufgerufen. So heisst es:

Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift, es sei denn auf beste Art und Weise, außer mit jenen von ihnen, die unrecht handeln. Und sprecht: „Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist ein- und derselbe. Und Ihm sind wir ergeben.“ (Qur’an, 29:46)

Der Toleranz der Muslime gegenüber dem Volk des Buches manifestiert sich in der gesamten Geschichte des Islams. Über Jahrhunderte begegneten Muslime den Juden in Freundschaft, und Juden erwiderten diese Freundschaft. Der Faktor, der diese Freundschaft erheblich belastet, hat andere, nämlich politische Ursachen.

Hass sollte jedoch niemals zu einer Reaktion des Unrechts führen. Deshalb warnt Gott im Qur’an:

„Oh ihr, die ihr glaubt! Steht in Gerechtigkeit fest, wenn ihr vor Allah bezeugt. Der Hass gegen (bestimmte) Leute verführe euch nicht zu Ungerechtigkeit. Seid gerecht, das entspricht mehr der Gottesfurcht.“ (Qur’an 5:8)

Nichtsdestotrotz leben Juden in der islamischen Welt im Grossen und Ganzen immer noch friedlich mit Muslimen zusammen. Die meisten jüdischen Synagogen befinden sich z.B. im Iran. Juden genießen selbst in diesem recht konservativen islamischem Land große religiöse Freiheiten.

In Wahrheit sind das Volk des Buches und die Muslime also keine Feinde – tatsächlich sind sie Verbündete. Gerade in der heutigen Zeit, in der die Welt überschwemmt wird von unmenschlichen Ideologien, müssen Christen, Juden und Muslime, die dieselben moralischen Werte verteidigen und an denselben Gott glauben, kooperieren.

Das Volk des Buches betreffend, fordert Gott von den Muslimen im Qur’an , sich auf ein gemeinsames Bekenntnis zu einigen:

Sprich: „Oh Leute der Schrift! Kommt herbei! Einigen wir uns darauf, dass wir Allah allein dienen und nichts neben Ihn stellen und dass die einen von uns die anderen nicht zu Herren neben Allah annehmen. (…)“ (Qur’an, 3:64)

Auch wenn im Qur’an das Volk der Israelis sehr oft kristisiert wird – wie übrigens auch in der Thora in den Büchern Moses –, differenziert der Qur’an und pauschalisiert nicht. So heisst es z.B.:

Und siehe, unter den Leuten der Schrift gibt es welche, die an Allah glauben und an das, was zu euch hinabgesandt wurde und was zu ihnen hinabgesandt wurde. Sie sind demütig vor Allah und verkaufen die Zeichen Allahs nicht für einen winzigen Preis Ihr Lohn ist bei ihrem Herrn; siehe, Allah ist schnell im Rechnen. (Qur’an, 3:199)

(…) Sie sind aber nicht alle gleich. Unter den Leuten der Schrift gibt es eine aufrechte Gemeinde, welche die Verse Allahs zur Zeit der Nacht liest und sich niederwirft. Diese glauben an Allah und an den Jüngsten Tag und gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte und wetteifern in guten Werken; und sie gehören zu den Rechtschaffenen. Und was sie an Gutem tun, es wird ihnen niemals bestritten; und Allah kennt die Gottesfürchtigen. (Qur’an, 3:113-115)

Siehe, die Gläubigen und die Juden und die Sabäer und die Christen – wer da glaubt an Allah und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut – keine Furcht soll über sie kommen, und sie sollen nicht traurig sein. (Qur’an, 5:69)

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Ender Cetin wurde am 8. Juli 1976 in Berlin geboren und arbeitet dort als Öffentlichkeitsreferent für die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DİTİB e.V.).

Bild:  Der ehemalige iranische Präsident Mohammad Chātami zu Besuch in einer Teheraner Synagoge (Quelle: Teheran Jewish Committee).

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Bisher 7 Meinungen zum Thema: Gastkommentar: Die Toleranz des Islam gegenüber d. Volk d. Bücher

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  • Cephalin meint:

    Herr Cedin, Muslime sind, wie die Ereignisse in dieser Welt immer wieder beweisen, sehr auf ihre Ehre bedacht und schnell beleidigt. Haben Sie eigentlich bedacht, dass auch ICH bei der Lekture Ihres Beitrages beleidigt worden sein könnte? Beleidigt deshalb, weil Sie mich offenbar für einen politisch naiven und historisch völlig ungebildeten Menschen halten. Mit welchem Recht erlauben Sie sich eigentlich, Ihren Lesern diesen Text zuzumuten? Ich verkneife es mir, Ihre historischen Fälschungen und ihre religiöse Schönfärberei en Detail zu erwidern. Das haben schon andere zur Genüge getan. Was ich jedoch sehr gut verstanden habe ist das: Sie arbeiten als Agent der DITIB und damit als Agent einer fremden Macht in Deutschland. Das haben Sie allerdings den Lesern Ihres Pamphlets vergessen mitzuteilen. Mit unfreundlichen Grüßen, Cephalin.

  • Mumpitz meint:

    “Im Islam wurde Juden und Christen wurde immer erlaubt, ihrem eigenen Glauben und selbst ihren eigenen Gesetzen zu gehorchen, ohne dass Repressalien die Folge gewesen wären.”

    Und ihr wollt ernst genommen wollen werden? -.-

  • *** meint:

    Ich möchte mir kein all zu großes Urteil über diesen Artikel erlauben, denn wie genau die Situation der Juden und Christen in jedem einzelnen islamisch geprägten Land heute aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Um ein für die heutige Zeit realistischeres Bild abzugeben hätte man vielleicht den “Faktor, der diese Freundschaft erheblich belastet” weiter ausführen sollen und vor allem, in welcher Hinsicht er belastet. Vielleicht bin ICH ja zu naiv, aber ich habe diesen Beitrag eigentlich auch nur so verstanden, als wolle er näher bringen, dass das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen nicht immer schon so gespalten war wie heute und dass ein friedliches Nebeneinander selbst im Koran geboten wird (Ich vage zu behaupten, dass das ein Aspekt ist, der nicht unbedingt zum selbstverständlichen Wissensschatz eines jeden Europäers gehört und aus diesem Grund durchaus würdig ist, mal erwähnt zu werden).
    Mag sein, dass ich jetzt beleidigend werde, aber vielleicht sollte man die Religion Islam nicht mit irgendeinem islamischen Land verwechseln und dass der Koran als die heilige Schrift die Grundlage dieser Religion bildet, lässt sich auch nicht leugnen. Wenn man sich nach diesen Erkenntnissen dann mal “traut”, den Koran in die Hand zu nehmen und die hier angebrachten Belege nachzuschlagen, wird man feststellen, dass da nichts verfälscht worden ist, sondern es tatsächlich so drin steht. So viel zur Grundlage der Religion, inwieweit sich Muslime heute an diese Inhalte halten steht auf einen anderem Blatt.
    Da Cephalin sich nach ihrem Statement zu urteilen scheinbar ausreichend mit der Geschichte des Islam befasst und somit ein fundiertes Hintergrundwissen vorzuweisen hat, würden mich persönlich als auf diesem Gebiet weniger gebildeten Menschen die angesprochenen historischen Verfälschungen schon interessieren. Denn meines Erachtens geht die Geschichte des Islam weiter zurück als, sagen wir mal 60 Jahre und in den über tausend Jahren hat sich da einiges an Ereignissen angesammelt, die nicht mit den Ereignissen in unserer heutigen Zeit gleichgesetzt werden können. Was den religiösen Aspekt angeht, so ist hier wie gesagt nichts verfälscht worden und da sollte man religiöse Inhalte schon von politischen Handlungen unterscheiden. Wenn ein Christ einen anderen Menschen beklaut, wird dadurch nicht die Gebot “Du sollst nicht stehlen!” falsch. Genauso können die hier angebrachten Zeilen aus dem Koran nicht falsch oder verfälscht werden, weil sich ein großer Teil der Anhänger des Islam nicht daran hält.
    Des Weiteren hat der Verfasser dieses Beitrags nicht vorenthalten, dass er ein Mitarbeiter der DİTİB ist, das steht unter dem Artikel bei den Angaben zur Person.

  • lisa meint:

    Sehr schöner Artikel, Ender!

    Und was die Kommentare angeht: Schaut was der Mensch aus den Religionen gemacht hat. Muslim ist nicht gleich Muslim. Viele Muslime kennen ihren
    eigenen Glauben nicht! Aber was Du schreibst Ender das ist der Quran. So
    ist uns das Leben hier vorgeschrieben, in Toleranz und Nächstenliebe
    gegenüber Andersgläubigen. Die Gläubigen der Buchreligionen sollen viel
    enger zusammenstehen.

    Salam Lisa

  • sibel demir meint:

    s.a ender ağby rabbim Onun yolunda gösterilen gayretleri daha da katmerlesin üzerimizden de inayetini esirgemesin inş…Uzun zamandır seninle temasa geçmeye çalışıyorum. görüşmek üzere inş türkiye ve çanakkaleden sevgiler, hayırlı geceler…

  • make love not war meint:

    ich kann mich den Ausführungen von “***” nur anschließen!

    bloß schade dass unser Geschichtsexperte Cephalin sich nicht näher äußern will…

  • erklärbär meint:

    @Cephalim: Genau hinschauen und dann erst meckern heißt die Devise! Dass Ender Cetin ein „Agent“ der DİTİB ist (man könnte freilich auch weniger polemisch sagen: „Mitglied“), steht nämlich groß und deutlich unter dem Text. Insofern hat er rein gar nichts „vergessen“ und spielt mit offenen Karten …

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