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Die Musik, die nach „Cherry Wine“ klingt

7 August 2014 No Comment

(Foto: © VIADATA // Holger John)

Am Mittwoch gastierten China Moses & Raphaël Lemonnier in der Kulturarena. Mit ihrer gemeinsamen Platte „Crazy Blues“ haben sie offenbar nicht nur sachverständige Blues- und Jazzliebhaber begeistert.

von Anna Kolosova

Es gab unter den Zuschauern auch die, die sich mit jazzigen Rhythmen gar nicht auskennen – ein gutes Beispiel dafür ist die 42-jährige Michaela, die zum Konzert eigentlich nur wegen ihres Freundes Alexander hingekommen ist: „Ich habe von Moses und Limonnier zwar früher gar nichts gehört, Alex kennt sie aber alle“, bekennt sie lächelnd. Trotzdem empfindet sie den Live-Auftritt als bewegend und hat diese Stimmung völlig nachvollzogen. Das verwundert kaum jemanden, weil die Musiker alte Jazz-Songs ausgezeichnet aufgepeppt haben.
Die französische R’n’B Sängerin trat locker auf der Bühne mit einer Tasse Tee auf und versetzte damit die Zuschauer sofort in die Atmosphäre des gemütlichen Cafes, wo Musik der goldenen Jazz-Ära ertönt. Wie sie und der berühmte Pianist Lemonnier die Songs der weltbekannten Sänger der Jazz-Szene dem Publikum näher brachten, war keineswegs ein Plagiat, sondern ein neues Aufleben der alten Hits.
In ihrem roten Kleid im Jazzlook ist Moses selbst ein Teil dieser Atmosphäre – sie ist mit dieser Musik aufgewachsen. „I learned to sing this song at the age of seven“, sagt sie über „What difference a day makes“ von Esther Phillips, das Moses neu interpretiert hat. Es ist eine Reise durch das Leben von China Moses, auf die sie ihr Publikum gern mitnimmt. Eine unvergessliche Reise, mit der sie solchen legendären Sängerinnen wie Etta James, Janis Joplin, Mamie Smith, Donna Summer, Helen Humes und anderen Tribut zollte.
Wie die französische Sängerin changierte auch Rhaphaël Limonnier gekonnt zwischen den unterschiedlichen Tonlagen – von heiteren und leicht-provokativen wie in „Cherry Wine“ bis zu den dynamischen und wilden in „Move over“. Es gab an diesem Abend so viele Perlen zum Wiederhören, die gleichzeitig gefühlsbetont und virtuos aufgeführt wurden.
Sie waren dabei auch leicht und ein bisschen herausfordernd. Wie ein Schluck rubinroter „Cherry Wine“, den man sich auf der Zunge zergehen lässt. Wie Jazz selbst.

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