Chaos mit Charme Als Eramus-Studentin in Urbino, Italien
Die Entscheidung, ein Jahr im Ausland zu studieren, fiel mir als IWK Studentin nicht schwer, doch in welchem Land und in welcher Stadt war die eigentliche Frage. Sollte man in eine Weltstadt wie Rom gehen oder lieber eine kleine und überschaubare Stadt wählen? Letztendlich entschied ich mich für das idyllische Städtchen Urbino in Italien. Ich habe diese Entscheidung auch nicht bereuen müssen. Die Stadt hat zwar nur 15.000 Einwohner — das Stadtbild ist jedoch von den 20.000 eingeschriebenen Studenten geprägt. Also ein wenig wie Jena. In meinen Augen ist es in einer kleineren Stadt leichter Land, Leute und Kultur kennen zu lernen – und natürlich die Sprache zu lernen. Nach fast zehn Monaten Aufenthalt kann ich aber sagen, dass die Sprache nicht unbedingt im Vordergrund stehen muss. Natürlich ist man darauf angewiesen, aber es geht doch mehr um die Kultur, beziehungsweise das Miteinander der verschiedenen Kulturen. Und das sieht man am Besten am Beispiel des Erasmusprogrammes. Die Austauschstudenten kommen aus der ganzen Welt und werden zu einer großen Familie. Zumindest habe ich es so in Urbino erlebt.
Was aber macht die Stadt Urbino, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, an sich so liebenswert? Wie in jeder italienischen Stadt ist die Piazza das eigentliche Zentrum der Stadt. Hier trifft man sich zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit um Freunde und Bekannte zu sehen. Auch wenn ich es am Anfang nicht verstanden habe, so ist es doch ein Riesenvergnügen die Leute auf der Piazza zu beobachten und an der italienischen Lebensweise teilzunehmen.
Und von dieser Lebensweise kann ich viele Anekdoten erzählen – sei es über die große Bereitschaft der Italiener zu Streiken, wie ich es z.B. auf meiner Bahnreise nach Urbino erlebt hatte, als die Züge in München stoppten, da genau an diesem Tag die italienische Bahn streikte oder ein Streik an der Universität, wodurch ein Großteil meiner Sprachkursstunden ausfiel. Auch eine gewisse Unorganisiertheit an den ersten Tagen für die Erasmus-Studenten fällt mir in diesem Moment ein. Niemand stand einem zur Seite, um die formellen Angelegenheiten zu erledigen. Von einem Austauschprogramm zwischen Erasmus-Studenten und einheimischen Studenten (Tandem) wie es in Jena üblich ist, hatte an der Universität von Urbino bis dahin noch niemand etwas gehört. Doch all diese Kleinigkeiten vergisst man schnell, wenn man auf die Studienzeit im Ausland zurückblickt. Viel mehr in Erinnerung bleiben da die Freundschaften, die sich in dieser Zeit ergeben haben und die Reisen, die man mit neuen und alten Freunden unternommen hat. Alles in allem kann ich die Stadt Urbino und das gesamte Erasmus-Programm nur weiterempfehlen. Wer die Chance hat, an einem solchen Programm teilzunehmen, sollte sie auf jeden Fall nutzen. Für das Studium sollte man sich jedoch nicht zu viel erhoffen. Ich bin nach Italien gegangen, um die Sprache zu
lernen und war damit erfolgreich. Scheine für mein Studium habe ich aber nicht machen können, da sich die Studieninhalte zu sehr unterschieden haben oder das Verstehen der Vorlesungsinhalte zu schwierig war. Verschenkt habe ich dieses Jahr aber auch nicht – ich habe beide Semester als Urlaubssemester genommen und so eine Verlängerung meiner effektiven Studienzeit vermieden. Den finanziellen Aufwand sollte man ebenfalls nicht scheuen, da man eine solche Erfahrung nur einmal im Leben machen kann. Also rafft euch auf und erobert die Welt!
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