Home » WeitBlick

Carnaval – unser Leben unsere Liebe! Feiern in Brasilien

11 April 2003 580 views No Comment

Bei den Worten “Karneval in Brasilien“ denken einige sofort an die Para de der berühmten Sambaschulen, die sich mit einer opulenten Orgie aus Farben, nackter Haut und Musik auf großen Wagen durch das “Sambädromo“, dem eigens dafür errichteten Karnevalsstadion in Rio de Janeiro, bewegen. An Popularität und Beliebtheit erfreut sich auch der\r\n
Karneval von Salvador de Bahia, Recife und Olinda. In Salvador de Bahia wurde bereits 1884 der erste Straßenkarneval organisiert, der heute zu den größten der Welt zählt und Vor allem mit afrobrasilianischen Tanz- und Spielgruppen aufmarschiert. Seit den 80er Jahren gibt es hier eine Professionalisierung und Vermarktung des Karnevals durch die Tourismusbehörde, die mit der bekanntesten und medienwirksamsten Fernsehübertragung als einzige auch den Weg in unsere Wohnzimmer schafft.\r\n
Aber gerade die Überladung des Umzugs, die horrenden Preise und die Anpassung an die Erfordernisse der Fernsehübertragung, in der die voyeuristische Kameraperspektive der Medien und passiven Zuschauer dominieren, haben viele Kritiker hervorgebracht. So ist es denn nicht verwunderlich, dass es viele vorziehen, der Stadt den Rücken zu kehren und stattdessen wo anders zu feiern. Doch auch fern ab von den Metropolen findet man im ganzen Land geradezu eine fanatische Begeisterung für den Karneval, der mit europäischen Maßstäben kaum zu vergleichen ist. Wem es vergönnt ist, gerade dort dabei zu sein, wird einige interessante Sachen feststellen und immer wieder ins Staunen geraten.\r\n
Ganz anders als hierzulande findet das Geschehen dank der Temperaturen, die sich um die 30 Grad bewegen unter Palmen und, wo es möglich ist, an langen, weißen Sandstränden statt. Und bei so viel Caipirinha, dem brasilianischen Nationalgetränk aus Zuckerrohrschnaps, Limetten und viel Eis, stört der manchmal aufkommende tropisch warme Regen dann auch nicht mehr.\r\n
Man muss sich nicht wegen frösteln- der Kälte vermummen, sondern hat leicht bekleidet mehr Bewegungsfreiheit, um sein Tanzbein zu schwingen. So kann man auch besser den Bewegungen der Sambatänzer folgen, die sich in einer Reihe aufstellen und den Massen die Schritte und Formationen vorführen.\r\n
Hier scheint jeder schon mit Samba im Blut geboren zu sein und selbst die Kleinsten können es schon besser nachmachen, wie die “Gringos“ (brasilianische Bezeichnung für Ausländer).\r\n
Schaut man sich um, entdeckt man viele junge Menschen und das hat seinen Grund.\r\n
Seit den 60er Jahren hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt und liegt heute bei ca. 170 Mio. Menschen. Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahren alt und das spürt man besonders an der ausgelassenen Mentalität und Lebensfreude.\r\n
Auffällig ist auch die Viel falt der Hautfarben und Nationalitäten. Die Abstammung von Einwanderer aus Europa, aus Afrika verschleppte Sklaven und die Indianer, die ursprünglichen Bewohner Brasiliens, spiegeln sich, in unzähligen Mischformen, in den Gesichtern der Menschen wider. Für den charakteristischen, leicht asiatischen Einschlag in manchen Gesichtern ist der Einfluss japanischer Einwanderer verantwortlich, die größten Teils in und um Sao Paulo leben.\r\n
In Brasilien findet man, was man sich eigentlich nicht vorstellen kann: Asiatische Augenform, blaue Augenfarbe, rotbraun schimmernder Teint, volle afrikanische Lippenform, leicht gelocktes, mittelbraunes Haar als Beschreibung für eine Person. Verrückt und kaum zu glauben, wenn man es nicht selber sieht.\r\n
Egal wo, die Menschen den Karneval feiern, in großen und kleinen farben- prächtigen Paraden, sie verausgaben sich im nächtelangen grandiosen Rausch. Für kurze Zeit scheinen die unsichtbaren, aber doch starren sozialen Schranken innerhalb der Gesellschaft in einer trügerischen Illusion aus Pracht, Luxus und Verschwendung außer Kraft gesetzt. Menschen unterschiedlicher Hautfarbe und Herkunft tanzen gemeinsam im Rhythmus der Musik. Einmal im Jahr scheint ein ganzes Volk alle gesellschaftlichen Normen, Institutionen und Rangordnungen hinter sich zu lassen – in der Magie und Phantasie des Karnevals.’, ‘Artikel’, 1, ’20031007140148′, ‘Carneval’, ‘UNIQUE’, ”, ”, ’1′, ‘deutsch’, ”, ”, 0),

Ähnliche Artikel die Dich noch interessieren könnten:

  1. Fussball ist unser normales Leben Hätte dieser Roman denn nicht überall spielen können? Könnten die vier Freunde, alle um die 30, nicht auch in einer anderen Stadt als Tel Aviv vor dem Fernseher sitzen? Es ist das Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1998. von Daniel Jendrissek Die...
  2. Frauen unter sich Erzähl mir vom Leben “Frauen unter sich” – so kann man das neueste Projekt von Ilse Thoma beschreiben. Die 66-jährige Modefotografin verfolgte in ihrer Arbeit das Thema “Die Frau in ihrer gesellschaftlichen Rolle”. “Ich suchte nicht das Spektakuläre, das Ungewöhnliche, sondern wollte das, was...
  3. Medienlandschaft Brasilien von Tsil Rund 90 Prozent aller Brasilianer besitzen einen Fernseher. Unter den acht bedeutendsten Fernsehstationen ragt ein mächtiger und meinungsbildender Kanal heraus: TV Globo. Dessen Programmangebot besteht hauptsächlich aus Spielfilmen, Nachrichten, populären Programmen, Sportübertragungen und vier täglich ausgestrahlten Telenovelas. Telenovelas...
  4. Und so feiern wir die Angst als Möglichkeit zur Panik Ja, Panik sind zurück. Wir haben sie ja schon immer gemocht. Gott sei Dank besteht mit dem neuen Album „The Angst and the Money“ keinerlei Grund damit aufzuhören. von Melanie Gollin Wieder ist es wunderbar und wieder haut Sänger...
  5. Kommentar: Warum unsere Kinder Perverse werden (oder auch nicht) Ein unwissenschaftlicher Kommentar zum Thema „verdorbene Jugend“ sollte mit einem altklugen Spruch beginnen, z.B. dem von Heranwachsenden, die ja „schon lange nicht mehr das sind, was sie mal waren“. Oder man befragt die Lebenswelt der viel zitierten „Jugend von...

Deine Meinung zählt!

Deine Meinung gilt, oder trackbacke von deiner eigenen Webeseite. Du kannst ebenfalls den Kommentaren (Kommentar Feed) via RSS folgen.

Seih nett und spamme nicht!

Du kannst folgende Tags nutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>