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Arabisch, Kurdisch und Georgisch Als Dolmetscher auf dem Forst – ein Interview

10 Juli 2003 762 views No Comment

Asylantragsteller in Jena. Das Wohnheim auf dem Forst ist weit vom Stadtzentrum entfernt. Wenn sie in die Stadt kommen, werden sie kaum von jemandem angesprochen. Andere Kultur, andere Hautfarbe, andere Sprache.
Aber was wissen wir eigentlich über sie? Einer der Auskunft geben kann, einer der Fragen beantworten kann ist Farshid Delshad, Übersetzer und Dolmetscher auf dem Forst.
Guten Tag Herr Delshad: Wie sieht denn Ihre Tätigkeit genau aus? Mit wem arbeiten sie zusammen?
Ich arbeite Teilzeit als Übersetzer und Dolmetscher beim Bundesamt für Anerkennung ausländischer Flüchtlinge in Jena, genauer gesagt: ‘Auf dem Forst‘. Es gibt darüber hinaus noch andere Institutionen bei denen ich auch als Übersetzer tätig bin. Diese Ämter beschäftigen sich ebenfalls mit Asylanten bzw. mit Flüchtlingen: polizeiliche Dienststellen, das Gericht, das Landes- und Bundeskriminalamt aber auch Übersetzungsbüros.
Welche Asylanten betreuen Sie denn? Für welche Sprachen sind Sie verantwortlich?
Betreuen ist wahrscheinlich nicht der richtige Begriff in diesem Zusammenhang. Ich würde sagen, meine Aufgabe ist zwischen den Sprachen zu vermitteln. Der Umfang meiner Dolmetschertätigkeit umfasst Arabisch, Kurdisch, Russisch, Georgisch, Persisch und Englisch. Ich begegne somit Menschen aus Sibirien, dem Nordkaukasus, aus Südafrika, d.h. Menschen, welche die oben genannten Sprachen sprechen.
Wie lange dauert die Bearbeitung eines Asylantrages? Gibt es beschleunigte oder verzögerte Verfahren? Über die genaue Zeitdauer kann ich leider keine Auskunft geben, aber die Verfahrensweise ähnelt sich in den meisten Fällen. Die Flüchtlinge, die illegal nach Deutschland kommen, melden sich normalerweise bei polizeilichen Stellen. Von dort aus werden sie zu den unterschiedlichen Bundesämtern transportiert. Es erfolgen die erste Anhörung, die Antragstellung, soweit möglich eine Identifizierung, Dolmetscherbestellung, die Ausstellung von temporären Passdokumenten etc. Das nimmt in der Regel nicht länger als 2 bis 3 Wochen in Anspruch. Bei Problemen kann es allerdings bis zu 3 Monaten dauern.
Soweit ich die Sache beurteilen kann, kann von einer Beschleunigung dieses Prozesses keine Rede sein. Bei jedem der oben genannten Arbeitsschritte kann es zu Problemen kommen, die eine Verzögerung des Verfahrens nach sich ziehen. Deshalb bleiben die Asylanten zum Teil länger als geplant auf dem Forst. Nach Abschluss des Antragstellungsverfahrens werden die Asylanten bundesweit auf Asylbewerberheime transferiert. Das geschieht teilweise unabhängig von der Nationalität und der ethnischer Zugehörigkeit. Asylantenheime gibt es mittlerweile in fast jeder Stadt.
Wie werden die Asylanten ‘Auf dem Forst‘ betreut? Wie sehen die Verhältnisse dort aus?
Ich kann nicht leugnen, dass die Mitarbeiter versuchen, das Beste aus den Verhältnissen zu machen. Das ist nicht zu übersehen. Auf den Einzelnen kann allerdings nicht eingegangen werden. Die Menschen kommen aus zum Teil sehr unterschiedlichen Kulturkreisen und mit völlig verschiedenen Lebensweisen und Gebräuchen. Dazu kommen, Einsamkeit, Heimweh und psychische Probleme, die manchmal zu starken Konflikten führen können. Es gibt sowohl externe Probleme, zwischen den Asylbewerbern und den zuständigen deutschen Mitarbeiten, und anderseits die internen Probleme zwischen den Asylanten selbst. Allein wenn man sich vorstellt, dass in einem Zimmer z.B. ein Russe, ein Jugoslawe und ein Georgier zusammen wohnen müssen, kann man sich eine Vorstellung von dem vorhandenen Konfliktpotential machen.
Mit welchen Erwartungen kommen Ausländer nach Deutschland? Welche Perspektiven bieten sich?
Die Erwartungen sind sicherlich vielfältig. Im Vordergrund steht sicherlich der Wunsch nach einem besseren Leben. Das heißt für viele: ein Leben entfernt von einheimischen Bedrohungen wie Krieg, politische Verfolgungen, Diskriminierungen, Elend und Hunger. Einigen Asylanten gelingt die Anerkennung, und manche können sich sogar in der Folge eines Ausbildungs- oder Studienplatzes erfreuen. Ich kenne persönlich Ex-Asylanten, die inzwischen eine Hochschule besuchen oder ein Geschäft führen. Diese zählen sicherlich unter die Gruppe der ‘glücklichen‘ Ausländer. Bedauerlicherweise gibt es aber Fälle, in denen Asylanten ganz ohne Arbeit sind, von Schwarzarbeit oder sogar von illegalen Geschäften leben. Ich bedanke mich recht herzlich für Ihre Auskünfte und wünsche Ihnen weiterhin eine erfolgreiche Arbeit auf dem Forst.

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