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Abhauen, und zwar ganz…

11 April 2003 580 views No Comment

Es ist schon seit einer Weile sicher sie wird weggehen. Kirstin, eine Freundin, Studentin in Weimar, 27 Jahre. Für immer geht sie nach Australien. Zu der Frau ihres Lebens und zu Menschen und deren Land, unter denen sie sich “gefunden“ hat, aufs erste zumindest.\r
Jedenfalls geht sie erst einmal für ein Jahr. Wenn das vergangen ist und sie zwölf Monate mit Judith, ihrer australischen Freundin, in eheähnlicher Gemeinschaft zusammengelebt hat, kann sie einen Antrag auf permanent residence in Australien stellen. Ihre Chancen auf Einwanderung sind dann gut. Nach weiteren drei, vier Monaten im Land könnte Kirstin schließlich an einen Urlaub für ein paar Wochen bei Freunden und Verwandten in Deutschland denken. Dann müsste sie jedoch wieder zu rückkehren, damit der Anspruch auf permanent residence nicht erlischt. Man möchte fragen, was sie treibt, was ihr durch den Kopf geht, ob sie Angst hat oder nur Freude empfinden kann, bei einer derart einschneidenden Entscheidung.\r
Tatsächlich kommen die Antworten schnell, und zwei Gründe kann man klar identifizieren: Nie ist sich Kirstin sicherer gewesen, den richtigen Partner gefunden zu haben – Judith. Eine Art Leuchten erscheint in ihren Au gen, wenn sie von der Frau spricht, die sie mittlerweile neun Monate nicht mehr gesehen hat. Also gibt es sie wirklich, die wahre Liebe! Doch die Romantik hört im Alltag der Realität schnell auf. Neben der großen Liebe, bietet das Weggehen realistisch auch die Aussicht auf einen Neuanfang. Es bietet die Chance, noch einmal neu zu beginnen, ohne “Altlasten“, wie sie meint. Aber schließlich hat sie sich auch selten so wohl in einem Land gefühlt, wie in Australien. Der ironische, oft auch selbstironische Humor und die lockere Mentalität der Menschen treffen ihren Geschmack. Das Leben ist offen und ungezwungen, manchmal vielleicht ein bisschen intensiver als bei uns. So hatte sie sich das immer vorgestellt. – Die Zukunft liegt für sie demnach in “down under“. Zweifel an ihrer Entscheidung hegt sie nun nicht mehr, dennoch wächst in diesen Tagen das Bewusstsein dafür; was sie zurücklassen wird: Familie, Freunde, den Ort ihrer Kindheit, die Vertrautheit mit Menschen und Dingen. Drüben wird sie vor allem für die kleinen Dinge, wie Witze und Ge schichten, eine Erklärung suchen müssen. Manchmal wird sie keine finden, weil die Geschichte zu stark an Orte, an Familie und Freunde in Deutschland und in Jena, geknüpft ist. Sie wird Thüringen vermissen. Die Angst vor dem Moment, in dem sie vielleicht für jemanden, der sie in Deutschland bräuchte, nicht da sein kann, wird sie immer ein wenig von sich wegschieben. Ähnlich ist es mit der Vorahnung, sich in der ersten Zeit öfter allein zu fühlen. Auch das fürchtet sie ein bisschen, denn in Australien kennt sie am Anfang eigentlich keiner “richtig“. Und so sagt Kirstin plötzlich bedeutsam: “Ich bin froh, dass mir das Weggehen schwer fällt“. Sie hat zu schätzen gelernt, was sie mit Deutschland verbindet.\r
Die kulturellen Unterschiede zwischen Australien und Deutschland sind bei näherer Betrachtung nicht so gravierend. Zurückkommen ist prinzipiell auch möglich. Sie wird es also schaffen. Aber wir werden sie vermissen. Sie uns bestimmt auch ein wenig – trotz des “großen Glücks“ am anderen Ende der Welt.’, ‘Top’, 1, ’20031007104858′, ‘Kristin in Melbourne’, ‘UNIQUE’, ’1′, ‘-2′, ’1′, ‘deutsch’, ‘dj@unique-online.de’, ”, 0);

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