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„Wie eine offene Castingshow“

18 Juli 2011 No Comment

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Als die unique ins Leben gerufen wurde, war Florin Schneider ein Mann der ersten Stunde: Wir sprachen mit dem ersten Chefredakteur des Magazins über Motivationen, Startschwierigkeiten und den Namen unique.

unique: Hättest du damit gerechnet, dass die unique ihr zehnjähriges Jubiläum erlebt?

Florin: Nach der Gründung 2001 war gar nicht klar, ob sich das Magazin nach der ersten Ausgabe fortsetzen wird. Damals hatte ich keine Vorstellung davon, was in zehn Jahren sein würde. Heute freut es mich, dass sich das damals entstandene Konzept durchgesetzt hat und bis heute auch die finanziellen Bedingungen gegeben waren, um die unique kontinuierlich zu veröffentlichen und weiter zu entwickeln. Ich hoffe, dass sich die Zeitschrift jetzt in eine Richtung entwickelt hat, mit der ihr zufrieden seid und eure Zielgruppe erreicht.

Welche Motive haben euch damals dazu bewegt, eine Hochschulzeitschrift zu machen?

Die Grundidee war, eine Verbindung mit und unter den Studierenden unterschiedlicher Herkunft zu schaffen. Wir wollten eine studentische Anlaufstelle bieten, die es bis dato nicht gab. Daraus ist auch das IntRo hervorgegangen. Die Initiative selbst kam vom Menschenrechtsreferat, das damals allerdings noch einen anderen Namen hatte. Es gab zu dieser Zeit viele internationale Studierende an der Uni Jena. Und wir hatten das Gefühl, dass diese zwar einen großen Anteil bilden, aber im Hochschulbetrieb zu wenig repräsentiert sind. Der Initiative lag das Anliegen zugrunde zu zeigen, dass die FSU eine internationale Hochschule ist. Diesen Gedanken wollten wir auch nach außen tragen. Dafür erschien eine Zeitung als ein ideales Medium. Parallel zur unique-Gründung wurden noch andere Veranstaltungen ins Leben gerufen, das Internationale Frühstück etwa. Darüber hinaus gab es jeweils einmal im Jahr ein größeres Event, das für alle zugänglich war, sich aber speziell an internationale Studierende gerichtet hat.

Aus welchen Leuten setzte sich die „Gründerredaktion“ zusammen?

Aus dem StuRa-Umfeld gab es einige, die mitgearbeitet haben, wobei der Kern von drei Leuten gebildet wurde. Ideengeber und Artikelschreiber kamen von verschiedenen Seiten: StuRa-Mitglieder, Bekannte oder Leute, die auf unsere Aushänge aufmerksam wurden. Es war wie eine offene Castingshow, alle haben sich eingebracht und mitgemacht. Die Leute haben sich, gerade in der Anfangszeit, immer mal wieder engagiert, ohne dauerhaft Redaktionsmitglieder zu sein. Dies war ein eher schwieriger Prozess, zumal durch die wechselnden Mitglieder eine ständige Einarbeitung erfolgen musste. So fehlte uns manchmal die Zeit für die kritische Arbeit an den Inhalten.

Wie seid ihr auf den – alles andere als „einzigartigen“ – Namen gekommen?

Auf unserem damaligen Gründungstreffen machten wir uns Gedanken, was ein solches Magazin überhaupt leisten und was es beschreiben sollte. Irgendwann, nach längerer Kreativphase, stand dann der Name unique im Raum. Wir haben mit dem Klang des Namens versucht, deutlich zu machen, dass es hierbei nicht um den „klassischen“ deutschen Studenten geht. Der Name sollte auch unsere Nähe zur Universität deutlich machen und eingängig sein.

Welche persönlichen Erwartungen hattest du mit dem Erscheinen der ersten Ausgabe verbunden?

Wir erwarteten, dass uns nach der ersten Ausgabe die Redaktion eingerannt wird. Tatsächlich erhielten wir aber nur wenig Resonanz von der Seite der internationalen Studierenden. Ich hätte mir zu diesem Zeitpunkt gewünscht, dass verstärkt internationale Studierende in die Redaktion kommen. Aber das war zugegebenermaßen recht blauäugig: Wenn man ins Ausland geht, hat man erst einmal anderes zu tun, als bei der örtlichen Studierendenzeitung mitzuwirken. Diese Einsicht kam aber erst später.

Seid ihr auch direkt von offizieller Stelle unterstützt worden?

Wir sind damals mit unserem gesamten Paket an Ideen und Vorstellungen beim FSU-StuRa angetreten und haben verschiedene Projekte vorgestellt, unter anderem die unique. Es war ein schwieriger Prozess zu erklären, warum neben dem Akrützel ein zweites Hochschulmagazin bestehen und warum der StuRa die Kosten dafür tragen sollte. Weiter haben wir mit dem Akademischen Auslandsamt zusammengearbeitet. Der damalige Leiter hat uns sehr unterstützt und trotz seines knappen Budgets immer versucht, uns unter die Arme zu greifen.

Gab es Einflussnahme durch die Geldgeber?

Wie gesagt gab es recht spannende Diskussionen über die Frage der Kostenübernahme. Letztendlich ging alles gut und der Finanzantrag wurde damals im StuRa mit großer Mehrheit genehmigt. Die Situation, dass Leute auf uns zu kamen, um uns Themen vorzugeben, gab es aber zu keiner Zeit. Selbstverständlich gab es im StuRa unterschiedliche Meinungen zu unseren Artikeln. Und den skeptischen Grundtenor, wir könnten eine Bedrohung für das Akrützel sein. Da standen die Fragen im Raum „Was wollen die?“, „Wo wollen die hin?“, „Was haben die für Themen?“ Nach dem Erscheinen der ersten – thematisch recht wild wirkenden – Ausgabe wurde dann auch gleichermaßen moniert und gelobt. Wir hatten von allem ein bisschen eingebracht und uns wurde dann von mancher Seite vorgehalten, dass wir ja eigentlich doch nur eine weitere Studentenzeitung seien. Es gab aber aus der Studierendenschaft und vom StuRa auch positives Feedback.

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Wie sahen die Reaktionen von Seiten der Universitätsleitung und der Stadt aus?

Von universitärer Seite gab es generell positive Reaktionen. Im Zuge des beginnenden Bologna-Prozesses und des Partnerschaftsnetzwerks der Universität in der Coimbra Group wurde versucht, sich einen besonderen Status zu geben. Ein international ausgerichtetes Studentenmagazin passte da gut ins Konzept.  In einer der späteren Ausgaben gab es dann einen kritischen Bericht über das Asylbewerberheim in den Kernbergen. Die Stadt fand es damals nicht gut, dass wir die Zustände in diesem Heim kritisch beleuchtet haben. Das wurde an die Hochschulleitung weitergetragen und wir waren mit der Grundsatzfrage konfrontiert, ob solche Themen in eine studentische Hochschulzeitung gehören.

Als die unique entstand, war das Akrützel schon längst etabliert. Wie war das Verhältnis zwischen den beiden Studentenmedien?

In der Anfangszeit hat sich das Akrützel eher kritisch gegenüber der unique geäußert und Sinn und Aufgabe in Frage gestellt. Wir haben versucht, dem entgegenzusteuern, nach dem Motto: Die unique hat eine eigene Sparte, die im Akrützel aus unserer Sicht nur ungenügend bedient wurde. So gab es nur wenige Beiträge zum Thema „internationale Studierende“. Nachdem die erste „Versuchsausgabe“ dann im Umlauf war, erhielten wir für die darauffolgenden Ausgaben von einigen Akrützel-Redakteuren auch hilfreiche Tipps und Anregungen.

Kam dem FSU-StuRa ein Konkurrent zum kritischen Akrützel nicht vielleicht auch sehr gelegen?

Das Akrützel hat seine Rolle als studentisches Medium sehr ernst genommen und da blieben kritische Artikel zu einzelnen StuRa-Mitgliedern oder zu Entscheidungen des Gremiums natürlich nicht aus. So gab es selbstverständlich auch Gremiumsmitglieder, die es positiv sahen, dass das etablierte Blatt durch ein weiteres Studierendenmedium Konkurrenz bekam. Solche Tendenzen gab es wohl zu jeder Zeit. Ich würde das nicht überbewerten wollen. Niemand ist begeistert von einer Zeitung, die schlecht über ihn schreibt.

Hattet ihr selbst auch Auseinandersetzungen mit den studentischen Gremien oder anderen offiziellen Stellen?

Zu meiner Zeit nicht, ich habe nur davon gehört. Wenn man sich jedoch mit Themen, die Studenten bewegen, auseinandersetzen will, dann muss man sich auch kritisch äußern dürfen. Auch wenn es in der Vergangenheit Artikel gab, die vielleicht nicht der Meinung des Studentenwerkes, der Hochschulleitung oder des StuRas entsprachen: die mediale Unabhängigkeit sollte doch Vorrang haben. Rücksichtnahme ist in solchen Fällen nicht immer möglich. Es geht darum, die aktuellen Probleme zu beleuchten und zu benennen. Man muss eben auch die Möglichkeit einer Auseinandersetzung in Kauf nehmen, wenn man sich mit „brenzligen“ Themen beschäftigen möchte.

Was wünschst du der unique für die nächsten 10 Jahre?

Dass es trotz einiger, sicherlich schwieriger Phasen der letzten Jahre eine stetige Weiterentwicklung gab, zeigt die Daseinsberechtigung und Notwendigkeit der unique. Es ist schön, dass die Idee des Magazins über die Jahre nicht in Vergessenheit geraten ist. Auf dem Weg in die Zukunft wünsche ich der unique viel Erfolg und hoffe, dass ihr ihn mit gleicher Kraft beschreiten könnt, wie ihr es die letzten Jahre erfolgreich getan habt.

Wir danken dir für das Gespräch.

Das Gespräch führten Frank und Michaela.

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